Kinder müssen eine Stunde für Test vor Schule warten

Warten vor der Volksschule in Ebreichsdorf
Warten vor der Volksschule in Ebreichsdorfprivat
Um die Coronatests im Eingangsbereich der Volksschule in Ebreichsdorf abwickeln zu können, mussten Kinder in der Kälte im Freien ausharren. 

Von einem Chaos rund um die Covid-19-Testungen spricht Ebreichsdorfs Bürgermeister und SPÖ NÖ-Klubobmann Wolfgang Kocevar. Auch er stand heute in der Früh mit seiner Tochter in der Schlange vor der Volksschule in Ebreichsdorf (Bezirk Baden).

Seine Kritik richtet sich an die Bundesregierung: "Es ist wie immer eine nicht durchdachte Strategie bei den Covid-19-Testungen in den Schulen. Danke dafür, dass Schülerinnen und Schüler eine Stunde vor der Schule warten mussten", machte er auch in einem Facebook-Posting seinem Ärger Luft.

"Seit Tagen davor gewarnt"

Gegenüber "Heute" sagte Kocevar, dass man "seit Tagen bereits davor gewarnt" habe. Je größer die Schule, desto größer sei die Herausforderung für die Umsetzung der Schüler-Tests. In der Volksschule Ebreichsdorf mit rund 250 Schülern sei das Prozedere schwieriger als in Unterwaltersdorf und Weigelsdorf mit weit weniger Schülern, "wo das besser geklappt hat". Ihn ärgert auch, dass sich der Frust - auch im Internet - nun auf die Schule, die Direktion oder die Gemeinde entlädt. 

"Das Ganze ist nicht durchdacht"

"Dabei ist das Ganze von der Bundesregierung nicht durchdacht. Denn, abgesehen von den langen Warteschlangen, was passiert denn mit den Kindern, wenn sie positiv getestet werden? Sie sitzen dann vielleicht alleine in einem Raum, werden abgeschottet", so Kocevar. Das führe womöglich auch zu einer Stigmatisierung, denn die ganze Schule wisse dann, welches Kind positiv auf Corona getestet wurde. Zudem sei es ein Unterschied, "ob ich einen 14-Jährigen oder einen 6-Jährigen teste", manche Kinder gebe es, die "einfach Angst haben".

Vorschlag: Kinder zu Hause testen

Sein Vorschlag: Die Kinder im vertrauten Umfeld zu Hause zu testen. "Damit werden erstens Ansteckungen vor Ort verhindert und alles passiert in vertrauter Umgebung. Ich gehe davon aus, dass man den Erziehungsberechtigten diese Grundverantwortung übertragen kann. Die negative Testbestätigung kann ich dann am Handy abfotografieren oder ein Elternteil gibt ein unterzeichnetes Schreiben mit, dass ihr Kind negativ getestet wurde. Dann ist alles gut."

Die Bundesregierung wälze einfach alles auf die Schulen ab und erlasse Gesetze, "wo sich niemand Gedanken macht, wie das in der Praxis funktionieren könnte".

Dasselbe Theater passiere rund um die Teststraßen: Von den Kosten der zwei Massentests in der Höhe von 108.000 Euro habe seine Kommune erst 60.000 Euro von der Regierung zurückbekommen. Und es gehe ja mit den Teststraßen weiter: "Erst heute (Anm.: Montag) haben sich wieder 500 Leute testen lassen."

Bürgermeister Wolfgang Kocevar
Bürgermeister Wolfgang KocevarThomas Lenger

Einen "gelungenen Schulstart unter besonderen Vorzeichen" sah hingegen die Bildungsdirektion. Der heutige Schulstart nach dem Lockdown sei in Niederösterreich in allen sechs Bildungsregionen Niederösterreichs "ruhig und organisiert" erfolgt, hieß es heute in einer Aussendung. Trotz neuer Vorgaben, wie das Testen zu Schulbeginn und das Tragen von FFP-2-Masken in den Oberstufen, "konnte der Präsenzunterricht aufgrund des besonderen Einsatzes der Schulleitungen sowie Pädagoginnen und Pädagogen gut starten".

"Bedenken konnten ausgeräumt werden"

"Bedenken mancher Schüler sowie von vereinzelten Eltern konnten bereits im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden", heißt es in der Aussendung. Und weiter: „Mit den regelmäßigen Testungen können wir den Präsenzunterricht so sicher wie möglich gestalten und das ist in Zeiten einer Pandemie das oberste Gebot“, werden Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (VP) und Bildungsdirektor Johann Heuras zitiert.

"Guter Schulstart"

Teschl-Hofmeister und Heuras führen den "heutigen guten Start darauf zurück, dass die Verantwortlichen im Schulbereich bereits seit Monaten außergewöhnliche Leistungen vollbringen und die Schulen bereits im Vorfeld durch schriftliche Informationen und zahlreiche Videokonferenzen umfassend vorbereitet wurden".

In der Ebreichsdorfer Schule soll es jedenfalls laut Kocevar beim heutigen Test kein positives Ergebnis gegeben haben. Er verstehe die Verärgerung der Eltern: „Ich habe mit der Direktorin bereits gesprochen und sie hat angekündigt, dass am Mittwoch der Test in den Klassen durchgeführt wird, um so eine Situation wie heute zu vermeiden“, so Kocevar.

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