Für den gebürtigen Kärntner Peter S. wäre der Beruf Kindergärtner früher keine Option gewesen. "Ich komme von Land, da ist das kein Thema", erzählt er. Er erlernte einen für die dortigen Umstände "klassischen Beruf", arbeitete im Büro und später als Buchhalter. Mit 28 Jahren dann ein Burn Out: "Ich konnte nicht mehr. Ich sah keinen Sinn in meinem Job, hatte das Gefühl, nichts für die Gesellschaft zu tun". S. begab sich auf die Suche - und wurde im Kindergarten fündig. Ein Schnuppertag begeisterte ihn so sehr, dass er sich entschloss, eine Ausbildung in der Elementarpädagogik zu starten - trotz anfänglicher Stolpersteine und Vorurteile. "Es herrscht immer noch die Ansicht, Kindergärtner sei ein Frauenberuf. Vor allem in der Familie wurde mein Vorhaben mit Skepsis betrachtet. Aber ich habe mich davon nicht beeindrucken lassen. Für mich ist es ein ganz normaler Beruf, der mir unglaublich viel Spaß macht".
Heute, zehn Jahre später, ist der Wiener angekommen. Als Kindergärtner hat er die berufliche Erfüllung gefunden. Der begeisterte Musiker und Sportler gibt seine Leidenschaften an die Kleinsten weiter. So wird für's Aufräumen mal rasch ein bekannter Song umgetextet oder mit neuen Liedern Sprachförderung betrieben. "Es klingt vielleicht komisch, aber für die Kinder bin ich ein Rockstar", lacht der 38-jährige. Und genau dort, ist sich S. sicher, könne man junge Burschen abholen und für den Beruf begeistern. "Jeder soll als Kindergärtner seine Talente einsetzen. Und wenn jemand gerne Musik macht, dann kann er das an die Kinder weitergeben. Warum also nicht mal ein Werbeplakat für Kindergärtner mit einer Rockband am Bild produzieren?"
Solche Plakate könnten vielleicht auch das Ansehen von Kindergärtnern steigern, so S. Denn an genau dem fehle es zum Teil. "Die Leute denken, wir spielen den ganzen Tag nur. Sie vergessen, dass da viel mehr dahinter steckt. Wir sind keine Onkel, wir sind Elementarpädagogen und würden uns auch manchmal das Ansehen von Volksschullehrern wünschen. Die Wissenschaft weiß, dass die ersten sechs Jahre im Leben eines Menschens entscheidend sind. Kinder sind die Zukunft und auch deshalb ist unsere Aufgabe so wichtig".
Für die Kindergärtner wird der Alltag so immer mehr zur Herausforderung. Zu wenig Personal, zu große Gruppen machen den Pädagogen zu schaffen. "Im Normalfall betreuen zwei oder maximal drei Leute eine Gruppe von 25 Kindern. Sobald aber jemand ausfällt, was vor allem in Zeiten wie diesen häufiger vorkommt, ist man alleine in der Gruppe", führt er aus. "Dann kann man schon mal leicht ins Strudeln kommen. Ein intensives Beschäftigen ist dann nicht möglich. Ein Kind ist auf der Toilette, eines ist krank geworden. Man müsste überall gleichzeitig sein." Kleinere Gruppen nach dem Vorbild Skandinavien wären hier wichtig, so der zweifache Familienvater.
Für bessere Rahmenbedingungen gingen Kindergärtner in Wien erst kürzlich auf die Straße. Mit dabei: Peter S. "Ich finde es wichtig, dass wir darauf aufmerksam machen", begründet er seine Teilnahmen und geht sogar noch einen Schritt weiter: "Ich finde, es braucht einen ganzen Tag Streik. Ohne Notbetrieb." Dieser müsse natürlich angekündigt werden. "Vielleicht wird man dann auf die Problematik aufmerksam." Für 29. März sind weitere Proteste in Wien geplant. Alle Kindergärten und Horte der privaten Kindergartenträger Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, KIWI-Kinder in Wien und der St. Nikolausstiftung bleiben an diesem Tag von 06:00 Uhr früh bis 15:30 Uhr nachmittags geschlossen.
Trotz aller Herausforderung möchte S. seinen Beruf nicht mehr missen. Vor allem die schönen Momente, in denen ein Kind durch sein Vorbild selbst Gitarre lernen möchte, er draußen vermitteln kann, welche Vielfalt die Natur bietet oder mit Sport den Zusammenhalt fördern kann. "Das wichtigste ist, Menschen zu begeistern. Ich möchte ihnen beibringen, sich zu trauen und aus Fehlern zu lernen. So wie auch ich lerne. Jeder Tag in meinem Beruf ist anders, es ist so abwechslungsreich." Als Mann, da ist er sich sicher, könne er auch Vorbild sein. In manchen Kindern fehlen die Väter in der Familie und auch wenn er kein Papa-Ersatz sei, so habe er doch zumindest eine enge Bindung zu ihnen. S. weiß eines mit Sicherheit: "Diese Berufswahl war die beste Entscheidung meines Lebens!"