Verein soll Missbrauch an Kindern ermöglicht haben

Schwere Vorwürfe gegen den Verein "Original Play": Bei den Kursen spielen fremde Erwachsene mit Kindern auf dem Boden. Laut Experten könnte das eine "Einladung" zum Missbrauch sein. Der Verein ist auch in Österreich aktiv.
Wie der ORF und ARD am Donnerstag berichteten, wird dem Verein "Original Play" Kindesmissbrauch vorgeworfen. Bei Kursen spielen fremde Erwachsene mit Kindern in Kindergärten und Schulen auf Matten auf dem Boden. Sie rangeln, raufen und kugeln herum. Es soll dabei um das "ursprüngliche Spiel" ohne Regel gehen.

"Verein müsste sofort verboten werden"



Bei Experten schrillen die Alarmglocken. "Für mich ist das eine Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern", sagte etwa die Trauma-Expertin Michaela Huber dem ARD-Magazin.

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Der in Salzburg tätige Kinderpsychiater Karl-Heinz Brisch ist schockiert und fordert Konsequenzen: "Dieser Verein müsste sofort verboten werden, weil er in einer hochkritischen, undifferenzierten Weise Körperkontakt in einer geschützten Situation im Kindergarten zu Kindern sucht und das in einer vollkommen unkontrollierten Art und Weise."

Der Gründer der Initiative, Fred Donaldson, weist die Kritik zurück: "Ob es passieren kann? Theoretisch nein. Das ist ja eine andere Denkweise: Wer jemanden missbraucht, kann die Berührungen, die ich unterrichte, nicht gebrauchen."

Der Verein ist seit einigen Jahren in heimischen Kindergärten und Volksschulen sowie in deutschen Kindertagesstätten aktiv. "Original Play" wird als pädagogisches Konzept angeboten, wurde aber von Behörden unter dem Aspekt des Kinderschutzes nicht überprüft.

Ermittlungen in Deutschland



In Berlin und Hamburg soll es bereits sechs Verdachtsfälle im Jahr 2018 geben. Die Ermittlungen mussten aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden, weil die Kinder zu klein waren oder den Eltern nicht geglaubt worden sei.

Wie die "ZIB" berichtet, liegt dem heimischen Bildungsministerium keine Liste an Vereinen vor, die in Kindergärten tätig sind. Die meisten Bildungsdirektionen hätten nicht gewusst, was "Original Play" ist.

Martina Wolf, Geschäftsführerin der Österreichischen Kinderschutzzentren, erklärte aber, dass sie bereits schlechte Erfahrungen mit dem Verein gemacht habe, als dieser in die Schule ihrer Tochter kam. Die Schüler seien "irritiert" über das Angebot gewesen. "Es war für die Kinder schwer, Nein zu sagen", erklärte Wolf.

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