Bald fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass ein Missbrauchsskandal im Stift Klosterneuburg rund um einen minderjährigen Ministranten aufgedeckt wurde. Dass der verantwortliche Geistliche nach Bekanntwerden des Falles im Stift zwar suspendiert, aber anschließend dennoch über mehrere Jahre in einer Stifts-Wohnung in Wien untergebracht worden war und später auch noch in Rumänien zum Priester geweiht wurde, sorgte in den nach "Profil"-Recherchen für Wirbel.
Der Vorwurf: Man habe den Fall vertuschen wollen. Propst Bernhard Backovsky wehrte sich damals. Am 2. Oktober 1993 sei dem Stift der Fall aus dem Jahr 1991 zugetragen worden, bereits sechs Tage später – am 8. Oktober 1993 – sei der beschuldigte Chorherr suspendiert worden. "Unmittelbar danach wurde er aufgefordert, aus dem Orden auszutreten", hieß es in der Stellungnahme 2017.
Nun beschäftigte sich der Vatikan mit dem Fall, kam offenbar zu einem anderen Ergebnis. Die kirchenrechtliche Untersuchung ergab Versäumnissen der früheren Stiftsleitung in Hinsicht auf die Unterbindung und die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sowie sexuellen Fehlverhaltens von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern des Stiftes. Daher sei dem emeritierten Propst Bernhard Backovsky eine kirchenrechtliche Monitio (Ermahnung) erteilt worden.
Backovsky äußerte sich dazu in einer Aussendung des Stifts: "Ich bedaure zutiefst, dass es in meiner Amtszeit zu sexuellen Fehlverhalten durch Mitglieder unserer Ordensgemeinschaft kam. Es lag nie in meiner Absicht, Fehlverhalten zu vertuschen. Ich habe in meiner langen Amtszeit großes Bemühen um meine Gemeinschaft und das ganze Stift Klosterneuburg gezeigt. Ich entschuldige mich bei den Opfern und bitte für meine Versäumnisse aufrichtig um Verzeihung." Durch das Ergebnis der kirchenrechtlichen Untersuchung und Neubewertung sehe er nun klarer und bewusster.