Klasse kämpft gegen Abschiebung von Bub (9)

Der Bub wurde mit seiner Familie von der Polizei abgeholt, soll heute, Freitag, abgeschoben werden.
Der Bub wurde mit seiner Familie von der Polizei abgeholt, soll heute, Freitag, abgeschoben werden.Bild: VS St. Nikola, Petra Kragl

Ein Bub (9) aus der Ukraine, der zuletzt die Volksschule in St. Nikola besuchte, soll mit seiner Familie abgeschoben werden. Eine ganze Klasse kämpft für ihn.

Seit Oktober besuchte Mykhailo (Michael) aus der Krim in der Ukraine die dritte Klasse der Volksschule St. Nikola (Bez. Perg). Der Neunjährige war bestens integriert, sprach schon gut Deutsch und hatte viele Freunde.

Doch am Mittwoch fehlte der Bub plötzlich unentschuldigt im Unterricht. Klassenlehrerin und Direktorin Brigitte Greisinger machte sich Sorgen, konnte auch die Eltern nicht erreichen.

Auch am nächsten Tag fehlte von Michael jede Spur. Kurz danach folgte die Schocknachricht. "Eine Mitschülerin hat mir erzählt, Michael und seine Familie seien von der Polizei abgeholt worden. Ich konnte es nicht glauben, habe sofort einige Anrufe getätigt", so die Direktorin zu "Heute".

Letzter Anruf aus dem Abschiebezentrum



Und tatsächlich: Michael befindet sich derzeit mit seinen Eltern sowie den beiden älteren Brüdern (alle Zeugen Jehovas) im Abschiebezentrum in der Wiener Zinnergasse. Aufgrund eines negativen Asylbescheids sollen sie heute, Freitag, zurück in die Ukraine geflogen werden.

Mit Müh und Not gelang es der Direktorin, in dem Abschiebezentrum telefonisch einen Mitarbeiter zu erreichen und ihre Nummer zu hinterlegen. Die Familie rief die Pädagogin wenig später zurück.

Greisinger: "Die Schüler und ich durften kurz noch einmal mit Michael telefonieren. Er meinte, es gehe ihm und seiner Familie gut. Am Freitag sollen sie zurückfliegen müssen."

"Viele Schüler haben geweint"

Indes herrscht bei seinen Klassenkameraden tiefe Betroffenheit. Wie Greisinger berichtet, haben viele Kinder geweint. "Es haben ihn alle sehr gemocht. Ich kann einfach die Vorgehensweise nicht verstehen. Niemand hat etwas davon gewusst. Wir hatten nicht die Möglichkeit, uns noch zu verabschieden."

Auch die Klassenelternvertreterin Barbara Jakob ist schockiert: "Wir sind zutiefst bestürzt über diese Nachricht. Keiner weiß, wieso und warum. Es wäre schön gewesen, wenn sich die Kinder zumindest ordentlich verabschieden hätten können. Wir hoffen trotzdem noch auf einen positiven Ausgang."

Besonders traurig: Erst am Mittwoch bekamen die Schüler der 3B-Klasse ihre Klassenfotos überreicht. Michael bekam seine nicht mehr. Die Fotosticker von ihm wurden auf die Mitschüler als Erinnerung verteilt.

Aber noch hoffen alle, dass ihr Mitschüler doch noch zurückkommt.

(mip)

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