Auf dem "mug shot", dem offiziellen Verhaftungsfoto der Polizei, zeigt Leniz Escobar ein freches Grinsen. Von Reue über ihre Handlungen, die vier jungen Männer das Leben kosteten, keine Spur. Nun wurde die heute 22-jährige Escobar – die als "La Diablita" ("kleine Teufelin") bekannt war – von einem Gericht des Mordes und der Beteiligung an organisierter Kriminalität verurteilt. Für die Beratungen vor dem Schuldspruch brauchten die Geschworenen am Montag gerade mal 16 Minuten, wie die "New York Post" berichtet. Ihr droht nun eine lebenslange Gefängnisstrafe. Escobar nahm das Urteil ohne äußere Regung zur Kenntnis.
Die junge Frau war angeklagt worden, 2017 eine Gruppe von fünf jungen Männern unter dem Vorwand, mit ihnen Marihuana zu rauchen, in ein Wäldchen auf Long Island gelockt zu haben. Dort warteten aber keine Joints, sondern etliche Mitglieder der gefürchteten Gang Mara Salvatrucha, kurz MS-13 genannt, auf die Jungs. Sie forderten die Opfer auf, sich auf den Boden zu setzen, und sagten, "wer sich bewege, müsse sterben", wie der einzige Überlebende Almer Ruiz (damals 17) vor Gericht zu Protokoll gab. Ruiz sprang auf und rannte um sein Leben, doch Justin Llivicura (16), Jefferson Villalobos und Jose Tigre (beide 18) sowie Miguel Lopez (20) wurden von der Gang mit Macheten, Messern und Ästen totgeschlagen.
Der Grund für die "Abrechnung" könnte banaler nicht sein: Die Opfer hatten sich auf Social Media mit Fotos präsentiert, auf denen sie für die MS-13 typische Hand-Gesten machten, um bei ihren Kolleginnen und Kollegen Eindruck zu schinden und "Frauen zu beeindrucken", so Ruiz.
Dies hatte "La Diablita" als Verhöhnung der wahren Gangmitglieder empfunden und ihren Freund, ein ranghohes Mitglied der Mara, informiert. Die Gang beschloss in der Folge, die – in den Worten des Staatsanwaltes – "High-School-Kids, die nur taff wirken wollten", für ihre Respektlosigkeit mit dem Tod zu bestrafen.
Am 11. April 2017 schritten sie zur Tat und töteten die jungen Männer auf bestialische Weise. Dafür hatte sie Escobar zuvor in das Waldstück gelockt. Die Ermittler, die die Leichen fanden, berichteten von einem schrecklichen Blutbad. "Es war unvorstellbar", so Detective Jeffrey Bottari. "Es war bei weitem einer der schrecklichsten Tatorte, die ich je gesehen habe. Das werde ich nie vergessen können."
Nach der Tat prahlte Leniz Escobar mit ihrer Rolle, die sie bei der Tat gespielt hatte und sagte gegenüber ihrem Freund, sie sei "glücklich, dass es passiert ist". Ihr Handy hatte sie nach der Tat aus dem Auto geworfen und die SIM-Karte zerstört. Ihre blutigen Kleider warf sie ebenfalls weg.
Ihr Verteidiger hatte vor Gericht noch argumentiert, sie habe nicht gewusst, dass die Männer getötet würden, doch die Geschworenen schenkten dem keinen Glauben. Auch die Aussagen ihres ehemaligen Freundes und anderer Gang-Mitglieder, die in separaten Verfahren vor Gericht standen oder stehen, belasteten "La Diablita" schwer. So soll sie sich sogar das Blut eines Opfers, das nach ihr griff, von den Fingern geleckt haben. Dass sie laut ihrem Cousin eine "schwere Jugend" ohne Eltern gehabt hatte, fiel angesichts ihrer Kaltblütigkeit nicht ins Gewicht. Sie habe eine "komplette Missachtung für menschliches Leben" an den Tag gelegt, so ein Ermittler des Suffolk County Police Department.
Zwei der Tatbeteiligten wurden bereits zu 50 und 55 Jahren Gefängnis verurteilt, vier weitere warten noch auf ihre Verhandlungen. Einer der Angeklagten war zur Tatzeit gerade mal 15 Jahre alt.