Klimawandel bringt uns heuer extreme Zecken-Plage

Zwischen März und Oktober werden jährlich tausende Österreicher von diesem Spinnentier gestochen, das den Erreger der Gehirn- bzw. Gehirnhautentzündung (FSME) überträgt.
Zwischen März und Oktober werden jährlich tausende Österreicher von diesem Spinnentier gestochen, das den Erreger der Gehirn- bzw. Gehirnhautentzündung (FSME) überträgt.APA/DPA/Patrick Pleul/DPA/Patrick Pleul
Die Zeckensaison ist nun in voller Fahrt – und der Klimawandel verstärkt sie sogar noch!

Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte dieses Jahr unbedingt auf einen ausreichenden Zecken-Impfschutz achten! Die üblen Quälgeister lauern auch heuer auf Gräsern, Büschen und Sträuchen. Und zwar in regelrechten Horden, dem Klimawandel sei "Dank".

"Es wird heuer ein ausgesprochen starkes Zeckenjahr", sagt Christian Komposch, Geschäftsführer von "Ökoteam" mit Sitz in Graz. Extreme Zeckenjahre sind mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr, sondern die Regel: "Das ist eine unmittelbare Auswirkung des Klimawandels." Die milden und immer kürzeren Winter sind ein Vorteil für die blutsaugenden Krabbler. Sie werden immer früher aktiv und sind aufgrund der Klimaerwärmung in immer höheren Regionen anzutreffen. "Mittlerweile ist man auch im Gebirge nicht mehr vor ihnen sicher", so der Biologe zur "Kleinen Zeitung".

Verbreitungsgebiet der Zecken wächst

Die zunehmende Erderwärmung ließ das Verbreitungsgebiet der Zecken wachsen. Kamen die Quälgeister bis in die 1970er nur bis etwa 700 Höhenmeter vor, kann man sie mittlerweile sogar schon auf 1.500 bis 2.000 Metern Seehöhe antreffen. Kärnten zählt laut Komposch europaweit zu den Hochrisikogebieten. Besonders sei ist das Aufkommen der ungeliebten Plagegeister etwa im Klagenfurter Becken, im Lavanttal, sowie im Drau- und Gailtal. Aber auch in anderen Bundesländern breiten sich die Tiere immer mehr aus.

Kein zeckenfreies Bundesland

Der Klimawandel beeinflusst die Zeckendichte aber nicht nur durch die Temperaturen. Im Kampf gegen die Erderwärmung wird nämlich vermehrt auf Mischwälder gesetzt, anstatt auf Nadelwälder. "Das kurbelt die Artenvielfalt an – was gut ist –, das sorgt aber auch für mehr Zecken", sagt Franz Rubel von der Vet-Med-Uni Wien, der die Zeckenpopulation jahrelang beobachtet hat. Ein zeckenfreies Bundesland gibt es in Österreich nicht.

Wie man sich vor Krankheiten schützt

Wenn eine Zecke "beißt", schneidet sie sich eigentlich mit ihren sägeförmigen Mundwerkzeugen in deine Haut und injiziert dir ihren giftigen Speichel. Das lähmende Nervengift unterdrückt die Blutgerinnung und kann an der falschen Stelle, wie beispielsweise am Kopf oder in der Nähe des Rückenmarks zu Lähmungserscheinungen führen (Paralytische Zecken Toxikose).

Die beiden wichtigsten Krankheiten in Mitteleuropa, die durch Zecken übertragen werden sind FSME und Borreliose. Zweitere lässt sich – früh genug erkannt – gut mit Antibiotika behandeln, da es sich um Bakterien handelt. Bei FSME geht es allerdings um Viren, wogegen Antibiotika nichts ausrichten können – hier hilft nur die Impfung. Beide Krankheitsbilder können völlig asymptomatisch verlaufen und sind auch deshalb so gefährlich.

Zecken übertragen auch Parasiten

Zecken selbst werden auch gerne von Parasiten namens Babesien befallen. Wenn dich eine infizierte Zecke beißt, lässt sie auch die Parasiten in deinen Blutkreislauf. Babesien setzen sich in deinen roten Blutkörperchen ab, zerstören diese und der Kreislauf beginnt von Neuem. Sollte dein Immunsystem intakt sein, wirst du von den Babesien gar nichts spüren. Nur ganz selten kann es durch die Parasiten zu Kopfweh, Durchfall, Appetitlosigkeit und noch seltener zum Nierenversagen kommen.

Also? Bei Zecken gilt in erster Linie: Keine Panik, aber auch kein Verharmlosen. Schütze dich und deine Haustiere von den Plagegeistern und achte auf deine Gesundheit.

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