Knigge für jüdische Gäste soll Hoteliers aufklären

Orthodoxe Juden auf einer Straße von Jerusalem. Symbolfoto.
Orthodoxe Juden auf einer Straße von Jerusalem. Symbolfoto.Bild: iStock
Urlaube in der Schweiz sind bei jüdischen Gästen sehr beliebt, doch besteht oft Konfliktpotenzial. Eine Broschüre soll nun Abhilfe schaffen.

Wenn jüdische Touristen das Bündnerland besuchen, kommt es hie und da zu kulturellen Zusammenstössen. In einem Anfang August veröffentlichten Schreiben mit dem Titel "Jüdische Sommergäste in Davos" bezieht Tourismusdirektor Reto Branschi Stellung zur Problematik: "Bedauerlicherweise haben wir von anderen Gästen in jüngster Vergangenheit vermehrt negative Rückmeldungen erhalten. Ein Teil dieser Gäste will die Destination Davos Klosters im Sommer künftig sogar meiden."

Er habe beispielsweise Meldungen von im Wald entsorgter Windeln und anderem Abfall erhalten. Außerdem würden Karten für die kostenlose Nutzung der Bergbahnen von jüdischen Gästen überdurchschnittlich oft als verloren gemeldet, was auf Missbrauch hindeuten könne.

"Grüezi" von Unbekannten befremdlich

Nun will der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) als Vermittler zwischen der jüdischen und westeuropäischen Kultur einschreiten. Eine Broschüre soll der Tourismusbranche Aufschluss darüber geben, wie orthodoxe Juden ticken und zugleich den jüdischen Gästen Verhaltensregeln fürs das Zusammenleben in der Schweiz näher bringen.

Der Aufklärungsbedarf sei groß, wie Jonathan Kreutner, SIG-Generalsekretär der "Südostschweiz" erklärt. Für orthodoxe Gäste könne beispielsweise ein "Grüezi" von Unbekannten befremdlich wirken.

Der Fall Arosa

Mit der gegenseitigen Aufklärung will der SIG verhindern, dass sich Fälle wie jener in Arosa im vergangenen Sommer nicht wiederholen. Ein Schild beim Swimmingpool des Aparthaus Paradies sorgte für Empörung und einen weltweiten Shitstorm: "An unsere jüdischen Gäste: Bitte duschen Sie, bevor Sie schwimmen und auch nachher. Wenn Sie gegen die Regel verstoßen, bin ich gezwungen, den Swimmingpool für Sie zu schließen. Vielen Dank für Ihr Verständnis", war darauf zu lesen.

Seither bemühte sich sowohl der SIG, als auch die Gemeinde Arosa um ein besseres Zusammenleben zwischen Juden und Menschen anderer Religionen. Arosa ist seit Jahren bei den orthodoxen Juden beliebt, weil es im Ort koschere Hotels gibt. (kat/20 Minuten)

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