So einfach kann man Kokain und Meth über Insta kaufen

Bei einem Versuch von "STRG_F" zeigt sich, wie einfach es ist, auf Instagram an Drogen zu kommen.
Bei einem Versuch von "STRG_F" zeigt sich, wie einfach es ist, auf Instagram an Drogen zu kommen.Screenshot YouTube
Auf Instagram reicht oft schon ein einfaches Like, um Drogen angeboten zu bekommen. Das ist gefährlich, insbesondere für Jugendliche.

Wenn Minderjährige an Drogen geraten, kann das schnell gefährlich werden. Wie einfach es für Jugendliche ist per Internet an Drogen zu kommen, zeigt ein Bericht von "STRG_F", dem digitalen Jugendangebot von ARD und ZDF.

Im Zentrum des Berichts steht die Social-Media-Plattform Instagram. Über sie werden immer wieder verschiedenste Drogen und Medikamente angeboten und verkauft. "Wenn man weiß, nach welchen Schlagwörtern und versteckten Botschaften man suchen muss, wird man auf Instagram ganz schnell fündig", erklärt ein anonymer Kenner der Szene. Dort gebe es auch ganze Netzwerke von Händlern, Produzenten und Käufern.

Ganz einfach Drogen gekauft

Um zu testen, wie einfach es tatsächlich ist, an die Drogen zu kommen, hat "STRG_F" einen falschen Instagram-Account erstellt. Dabei reichte es schon aus, mehreren anderen Accounts zu folgen, die Drogenbilder posten, um unzählige Nachrichten zugeschickt zu bekommen. Darin werden alle möglichen Substanzen von Gras über Lean (ein Mix aus Codein-haltigem Hustansaft und Sprite) bis hin zu Medikamenten angeboten.

Bei der Suche nach Drogen spiele der Algorithmus von Instagram eine große Rolle, so der anonyme Informant: "Ich persönlich will so hartes Zeugs ja gar nicht sehen, sondern suche nur nach etwas Gras. Aber der Algorithmus merkt sich meine Präferenzen und zeigt mir mit der Zeit immer härteren Stoff wie Crystal Meth."

"Instagram löscht jeden Nippel, das aber nicht"

Der Kauf von diversen Drogen läuft schließlich ganz einfach ab. Es wird auf eine der bereits eingegangenen Nachrichten geantwortet und eine Bezahlung mit Bitcoins vereinbart. Rund 60 Prozent der bestellten Ware werden schließlich auch geliefert. Beim Rest handelte es sich wohl um Betrug. In den Paketen befinden sich unter anderem das Beruhigungsmedikament Xanax, Ecstasy-Pillen, Gras und auch der Hustensaft Makatussin.

Die Reporterin zeigt sich erstaunt darüber, wie einfach das alles abgelaufen ist. "Das ist viel weniger Aufwand, als sich an einen Bahnhof zu stellen und jemanden anzuquatschen. Während Instagram jeden Nippel löscht, war all das ganz einfach erhältlich, sogar Morphin haben sie uns geschickt." Gefährlich sei dies natürlich vor allem auch, weil besonders viele Jugendliche die Plattform nutzen.

Codein mit Kokain

Beim Test der zugeschickten Substanzen durch die Medizinische Hochschule Hannover zeigt sich schließlich: Selbst bei zwei Flashcen Lean, die in derselben Sendung verschickt wurden, zeigen sich Unterschiede. In einer Flasche befindet sich Codein, während die zweite Flasche das etwa doppelt so starke Hydrocodein enthält. Tatsächlich findet sich aber weniger Hydrocodein als Codein in den Flüssigkeiten.

Außerdem konnten in einer der Flaschen Spuren von Kokain nachgewiesen werden. Zwar hätte die Menge wohl nicht ausgereicht, um einen maßgeblichen Einfluss auf den Konsumenten zu haben, es zeigt aber dennoch, dass es bei der Herstellung des Lean wohl zu Kreuzkontamination gekommen ist. Auch die Tatsache, dass sich einmal Codein und einmal Hydrocodein in den Flaschen befanden, beweist, dass man sich niemals sicher sein kann, was sich tatsächlich in den Produkten, die gekauft wurden, befindet.

1,3 Millionen Inhalte entfernt

Als Instagram mit diesen Tatsachen konfrontiert wurde, fiel die Antwort kurz aus. Man entferne solche Inhalte, sobald man sie finde. "Zwischen Jänner und März hat die Plattform 1,3 Millionen Inhalte entfernt, die im Zusammenhang mit Drogenverkäufen standen, 95 Prozent davon wurden proaktiv gefunden, bevor sie jemand gemeldet hat."

Tatsache ist allerdings, dass bis zur Veröffentlichung der Berichterstattung nur zwei der zehn Accounts, von welchen "STRG_F" bestellt hatte, gelöscht worden sind. Seit der ersten Kontaktaufnahme sind bis vier Monate vergangen. Außerdem wird es diesen beiden gelöschten Händlern leichtgefallen sein, einfach einen neuen Account zu erstellen. Mit der Löschung eines problematischen Accounts ist das Problem also noch lange nicht behoben.

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