Kommentar von Christiane Tauzher: Das Große und Ganze

Von außen betrachtet lief der Katastropheneinsatz nach dem Gas-Austritt im Großen und Ganzen wie am Schnürchen. Menschen wurden evakuiert, das Leck im Kühlhaus dicht gemacht, das Gebiet großräumig abgesperrt. Gefahr gebannt. Von innen betrachtet stellte sich die Sache anders dar.
Betroffene fühlten sich hilflos und von der Polizei im Stich gelassen. Die U-Bahn spuckte ihre Fahrgäste einfach auf die Straße. Laut Augenzeugen saßen viele Polizisten bei geschlossenen Fenstern in ihren Autos und sahen den Menschen draußen beim Herumirren zu, anstatt ihnen den Weg zu weisen. Gaffer gab es auch. Zwei junge Burschen zum Beispiel, die sich „aus Neugierde“ in der Gefahrenzone platziert hatten und der ZIB2 stolz erzählten, dass sie ganz in der Nähe wohnen.

In Internetforen berichten die einen über „beißenden Gestank“, andere wollen „nur wenig“ gerochen haben. Die Wahrnehmungen der Menschen fächern von Angst über Schaulust bis Desinteresse breit auf.So gut kann ein Einsatz gar nicht organisiert sein, dass alle hinterher zufrieden sind.Viel zu oft geht das Große und Ganze im wienerischen Nörgelismus unter.

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