Gestern war es genau 50 Jahre her, dass das Konzil begann, das II. Vatikanische Konzil. Ich war damals 17 Jahre alt. Es gab noch kein Internet, und das Fernsehen war erst in den Anfängen. Aber Bilder haben sich schon damals eingeprägt. Ich sehe noch vor mir das Bild der nicht enden wollenden Prozession von Bischöfen aus aller Welt, mit ihren hohen weißen Bischofshüten, über 2.500. Es war die größte Konzilsversammlung der ganzen Kirchengeschichte.
Vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 berieten die Bischöfe mit ihren Experten über alle großen Fragen der Kirche in der heutigen Welt. Papst Johannes XXIII. hatte gesagt, er wolle mit dem Konzil die Fenster der Kirche öffnen, damit frische Luft hereinkomme. Heute wird oft gesagt, zurzeit würden die Fenster eher wieder geschlossen werden.
Ich denke in diesen Tagen aber mehr an das, was sich in diesen 50 Jahren positiv verändert hat. Damals war die Kirche vor allem europäisch geprägt. Heute ist sie wirklich weltweit. Das sehen wir sogar bei uns. Damals waren die Christen einander weitgehend fremd. Heute ist das Miteinander der Christen selbstverständlich. Damals kannten sich die Weltreligionen kaum. Heute versuchen wir einander zu schätzen, gewiss nicht ohne Schwierigkeit. Das Konzil hat die Fenster geöffnet, vor allem aber die Herzen. Die wollen wir sicher nicht wieder verschließen!