Kondom klebte auf Weste: Polizistin klagt Polizei

Der Mobbing-Fall von Johanna wird derzeit am Landesgericht für Zivilrechtssachen verhandelt.
Der Mobbing-Fall von Johanna wird derzeit am Landesgericht für Zivilrechtssachen verhandelt.Sabine Hertel
Weil sie von Kollegen gemobbt wurde, verklagte eine Kärntnerin die Polizei. Die 23-Jährige erhebt Anspruch auf Verdienstentgang und Schmerzengeld.

Ein auf die Polizeiweste geklebtes Kondom, ein beschmierter Pulli mit der Aufschrift: "Sex heute", ein zerrissenes Bild in Unterwäsche der Betroffenen und die Nachricht "An deiner Stelle hätte ich mir schon längst die Kugel gegeben" im Postkasten: Polizistin Johanna P. (Name geändert) erhebt schwere Mobbing-Vorwürfe gegen Kollegen. Die gebürtige Kärntnerin reichte am Landesgericht für Zivilrechtssachen eine Klage gegen die Finanzprokuratur ein.

Seit vergangenen Oktober befindet sich Johanna P. im Krankenstand. Die Aussicht, wieder in eine Polizeiinspektion in der Wiener City zurückzukehren, konnte die 23-Jährige einfach nicht ertragen. Doch davon ist die gebürtige Kärntnerin derzeit noch weit entfernt. Denn laut einem psychiatrischen Gutachten ist die Polizistin dienstunfähig. 

Chefarzt-Termin wegen sexuellen Missbrauchs

Die Vorgeschichte: Nach der Polizeischule absolvierte Johanna ab März 2020 ihre erste Praxis-Phase in einer PI in der Wiener City. Die Probleme begannen, als die Runde machte, dass die 23-Jährige 2017 vergewaltigt wurde. Dies hatte sie einem Kollegen im Vertrauen erzählt, zusätzlich las eine Kollegin einen Tagebuch-Eintrag über das Erlebte.

"Eines Tages im Oktober 2021 kam ich in die Dienststelle und meine Waffe war aus dem Schrank verschwunden. Ich erfuhr, dass ich einen Termin mit dem Chefarzt habe und mir die Waffe daher abgenommen worden war", erinnert sich die Klägerin im Zeugenstand. Jemand hatte die Vergewaltigung "nach oben" gemeldet, Johanna wurde daher zur Überprüfung ihrer Dienstfähigkeit geladen: "Und die hat mir der Chefarzt auch damals bestätigt."

"Ich habe meinen Pulli in der Fundbox gefunden, beschmiert mit einem roten Stift und der Aufschrift 'Sex heute'" - Johanna.

Doch bei diesem Vorfall blieb es nicht: Im Dezember 2021 klebte ein Kondom auf ihrer Polizeiweste ("Den Kleber habe ich bis heute nicht ganz entfernen können"), auch ein Dienst-Pullover verschwand auf unerklärliche Weise: "Ich habe ihn dann in der Fundbox gefunden, beschmiert mit einem roten Stift und der Aufschrift 'Sex heute'", erzählt die 23-Jährige.

Die Polizistin ertrug die Situation nicht mehr und beantragte ihre Versetzung. Zudem hielt sie die Mobbing-Vorwürfe schriftlich fest und leitete sie weiter. Da "klare Mobbing-Tendenzen erkennbar waren", wurde die Disziplinarabteilung  eingeschalten. Im April 2022 begann Johanna ihren Dienst in einer neuen PI in Wien-Wieden: "Dort war es ganz anders als in der alten Dienststelle. Es gab überhaupt keine Probleme", berichtet die Kärntnerin.

"Wenn ich du wäre, hätte ich mir schon längst die Kugel gegeben"

Doch das Mobbing hörte nicht auf: "Im August habe ich dann ein zerrissenes Foto, das mich halbnackt in der Umkleide zeigt, im Postkasten gefunden", erzählt sie. Dem folgte ein Zettel mit der Nachricht: "Wenn ich du wäre, hätte ich mir schon längst die Kugel gegeben". Die 23-Jährige leitete alles an Vorgesetzte weiter, diese wiederum an die Disziplinarabteilung.

Doch im Oktober wurde Johanna erneut beim Chefarzt vorgeladen. Die 23-Jährige wurde als beschränkt dienstfähig beurteilt, Waffe und Autoschlüssel wurden ihr abgenommen: "Ich habe geweint und gezittert. Ich habe einfach nicht verstanden, was hier gerade passiert."

Laut psychiatrischem Gutachten dienstunfähig

Zudem wurde ein Psychiater von der Polizei mit einem Gutachten beauftragt, dieser bescheinigte der Polizistin Selbstmordabsichten und daher Dienstunfähigkeit. Laut Johanna P. soll zudem in dem Gutachten fälschlicherweise angeführt werden, dass sie mit einem Kollegen eine Partnerschaft gehabt und dieser sie vergewaltigt hätte.

Aufgrund der Vorfälle sieht Johanna keine Zukunft bei der Polizei mehr, verklagte die Finanzprokuratur auf 19.185 Euro Verdienstentgang und Schmerzengeld. Da die 23-Jährige noch keine Beamtin ist, wurde zudem das Kündigungsverfahren eingeleitet. Seitens der LPD Wien gab es zu dem Fall keine Stellungnahme, da es sich um ein laufendes, gerichtsanhängiges Verfahren handelt. Der Mobbing-Prozess wurde vertagt.

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