Können kranke Mitarbeiter bald überprüft werden?

Arbeitgeber sollen in Zukunft die Ursache für den Krankenstand, Bettruhe und Ausgehzeiten überprüfen dürfen (Symbolbild).
Arbeitgeber sollen in Zukunft die Ursache für den Krankenstand, Bettruhe und Ausgehzeiten überprüfen dürfen (Symbolbild).Bild: iStock
Ein Wirtschaftskammer-Entwurf sorgt derzeit bei der Gewerkschaft für Wirbel. Dieser sieht massive Verschärfungen bei Krankenständen der Arbeitnehmer vor.
Die Wirtschaft fordert offenbar eine Verschärfung bei Krankenständen. Die Gewerkschaft zeigt sich alarmiert. Arbeitgeber sollen in Zukunft die Ursache für den Krankenstand, Bettruhe und Ausgehzeiten überprüfen dürfen.

"Schärfer kontrollieren, ob jemand krank ist"



Der Entwurf der Wirtschaftskammer könnte bereits am nächsten Dienstag im Überleitungsausschuss für die mit 1. Jänner aus den neun Gebietskrankenkassen entstehende Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) beschlossen werden.

"Es steht im Raum, dass Arbeitgeber den Krankenkassen anordnen können, schärfer und genauer zu kontrollieren, ob jemand krank ist. Möglicherweise auch, dass sie die Ursache für den Krankenstand und welche Ausgangszeiten Versicherte im Krankenstand haben, an den Dienstgeber melden müssen", erklärt Andreas Huss, Arbeitnehmer-Obmann in der Österreichischen Gesundheitskasse, gegenüber dem "Kurier".

CommentCreated with Sketch.48 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Auch die Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Barbara Teiber, bezeichnete die Forderungen der Wirtschaft als "heftige Geschichte".

Rendi-Wagner kritisiert Verschärfungen



Laut dem Papier soll die Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit nach den Vorstellungen der Wirtschaft nicht nur den Beginn, sondern auch die voraussichtliche Dauer und die Ursache des Krankenstandes sowie die ärztlich angeordneten Ausgehzeiten bzw. Bettruhe beinhalten.

Die Wirtschaft verweist darauf, dass Bestätigungen oftmals keine voraussichtliche Dauer vorsehen und "den Dienstgeber mangels Planbarkeit unnötig belasten".

SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner kritisiert die geplanten Verschärfungen. "Mit diesem Vorhaben vonseiten der Wirtschaft werden ArbeitnehmerInnenrechte ausgehöhlt und kranke Menschen unter Generalverdacht gestellt", so die Politikerin.

Die SPÖ hätte immer vor der Zusammenlegung der Kassen gewarnt. Die jetzt geforderte Ausweitung der Arbeitgeberrechte würde für die Arbeitnehmer noch mehr Druck bedeuten und das sogar im Krankenstand. "Es geht um eine klare Machtverschiebung hin zu den Arbeitgebern, gegen die sich die Beschäftigten nicht wehren können", kritisiert die SPÖ-Vorsitzende.

Ärztekammer warnt vor Schlechterstellung für Patienten



Auch bei der Österreichischen Ärztekammer schrillen die Alarmglocken, da das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nachhaltig unterminiert würde. Der Beibehalt des Arztgeheimnisses aber sei eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche ärztliche Behandlung, betont Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Insbesondere die Bekanntgabe der Ursache des Krankenstands stößt auf heftige Kritik. Psychische Erkrankungen, wie etwa Depressionen oder auch Burnout, könnten nach Bekanntwerden negative Folgen für den Dienstnehmer haben. Die Ärztekammer befürchtet, dass Patienten ihre Beschwerden zukünftig verheimlichten und nicht oder zu spät den Arzt aufsuchen.

"Die Vertraulichkeit des Arzt-Patienten-Gesprächs einschließlich der Befundbesprechungen und Diagnosestellungen ist ein hohes Gut und muss unter allen Umständen gewahrt bleiben", so Szekeres, der davor warnt, wirtschaftliche Interessen vor die der Gesundheit von Menschen zu stellen.

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