"Kraken Academy!!" im Test: Schrägster Schultag jemals

Die Mitschüler sind miese Mobber, der Weltuntergang steht bevor und ein riesiger Krake braucht unsere Hilfe. Willkommen bei "Kraken Academy!!".

Vom Berliner Indie-Studio Happy Broccoli Games kommt ein PC-Spiel um den wohl schrägsten Schultag, den es jemals gab. "Kraken Academy!!" versetzt uns in die Rolle des jungen Mannes, dessen erster Tag an seiner neuen Schule komplett aus dem Ruder läuft. Mitschüler mobben was das Zeug hält, am Spielplatz der Schule feiern Kultisten dunkle Rituale, Krokodile schnappen am Campus nach Schulkindern und Geister machen die Gänge der Akademie unsicher.

Wem das noch nicht schräg genug ist, bekommt es gleich zum Start des Spiels auch mit einem riesigen Kraken in einem See zu tun. Der allerdings ist kein Antagonist oder Boss, sondern ein magisches Wesen, das mit uns gemeinsam die Welt retten will. Gemeinsam sollen wir im Game einen Superbösewicht ausfindig machen, der die Schutzwächter der Schule gefangen und die Welt ins Chaos stürzen will. Leider könnte das aber jeder Einzelne unserer vielen Mitschüler, Lehrer oder Anwesenden am Schulcampus sein. 

Abgedrehte Zeitschleifen-Mechanik

So herrlich abgedreht die Handlung von "Kraken Academy!!" ist, so eine geniale Gameplay-Mechanik nutz das Spiel: Mit einem magischen Amulett ausgestattet können wir eine Zeitschleife manipulieren, um dem unausweichbar scheinendem Weltuntergang doch noch zu entkommen. Der nämlich findet bereits in drei Tagen statt. Weil aber die Zeit davonläuft, um alle Lehrer und Schüler im Auge zu behalten, kann man bei jedem Fehler die Zeitschleife neu starten und die Spurensuche mit mehr Hintergrundwissen neu beginnen.

Geheimnisse und Hinweise deckt man aber nicht nur durch das Erkunden des Schulgeländes und durch Dialoge mit den NPCs auf, man muss auch tiefer graben und sich dabei auch neu erfinden. So kann man sich vier Arbeitsgemeinschaften anschließen, um tiefer zu bohren. In der Musik-AG kann man einer Band zu Ruhm verhelfen, in der Sport-AG zur Legende am Platz werden. Ein Schüler jeder AG beherbergt zudem einen der vier Schulwächter, die wir aus ihren Körpern befreien müssen. Das wiederum geht allerdings erst, wenn wir uns um die emotionalen Probleme der Wirtskörper gekümmert haben.

Freunde, Feinde und die große Liebe

Die einzelnen Aktivitäten dienen nicht nur dem Fortschritt, sondern schalten neue Schulareale frei und liefern zudem neue Handlungsstränge und Spielfiguren zum Befragen. Ein kluger Schachzug! Generell ist die Umsetzung der vielen, vielen Charaktere toll gelungen. Die Figuren könnten abwechslungsreicher nicht sein und bleiben meist beim ersten Satz sofort in Erinnerung. Im Laufe des Abenteuers kann man zudem Einfluss darauf nehmen, welche Figuren man als Freunde besser kennenlernen, welchen man aus dem Weg gehen – und in welche man sich sogar verlieben will.

Sprachausgabe gibt es dabei leider nur in Form von kurzen Zisch- und Stöhnlauten, Dialoge (teils mit mehreren Antwort-Möglichkeiten) werden in deutschen Untertiteln angezeigt. Einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad gibt es auch, mit diesem können allerdings nur die mitunter auftretenden Quicktime-Events vereinfacht werden. Diese zeigen sich aber sowieso sehr simpel: Will man etwa eine Kiste aufbrechen, muss ein nach links und rechts schwenkender Punkt einfach in der Mitte eines Linienmuster angehalten werden oder eine bestimmte Taste möglichst schnell gedrückt werden. 

Eines der witzigsten Spiele des Jahres

Die Steuerung ist simpel und präzise ausgefallen: Mit den WASD-Tasten wird unser Charakter durch die Spielwelt bewegt, mit der Shift-Taste gelaufen, Dialoge und Aktionen werden mit nur wenigen weiteren Tasten ausgelöst. Die Musikuntermalung ist flott, aber nicht allzu aufdringlich. Und die Pixel-Grafik erinnert wundervoll an alte Retro-Klassiker. Einen etwas absurden Mix bietet allerdings die pixelige Gameplay-Grafik im Vergleich zu den detailliert und extrem scharf dargestellten 3D-Figuren in den Dialog-Passagen, die sich über den pixeligen Spielbildschirm legen. Ein sehr eigenwilliger Kontrast.

Schon das Gameplay und die Handlung sowie die Zeitschleifen-Mechanik hat uns im Test begeistert. "Kraken Academy!!" hat aber in jeder Ecke und in jedem Winkel wahnsinnig spannende Details zu bieten: Das eigene Zimmer kann dekoriert werden, ein eigenes soziales Netzwerk zeigt alle Charaktere und deine Beziehungen mit ihnen an und Ingame-Geld kann man durch Recycling mit einer witzigen Prise Vandalismus sammeln. Am besten aber: "Kraken Academy!!" fühlt sich einfach wie ein Adventure-Klassiker alter Schule an, bei dem man alles um sich herum vergisst und voll ins Spiel eintauchen kann.

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