Ein aus der Ukraine stammender Chemiker hat seit den Neunzigerjahren über seine Wiener Firma das angebliche Krebs-Wundermittel Ukrain in der ganzen Welt verkauft. Als die Behörden 2011 seine in Österreich verbotenen Produkte beschlagnahmten, machte der 77-Jährige munter weiter. Er verkaufte abgelaufene Ampullen mit manipuliertem Ablaufdatum. Er bekannte sich nicht schuldig. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.
Im Jahr 2011 wurde eine Lieferung des Präparats, das aus dem Extrakt der Wurzeln des Schöllkrauts gewonnen wird, abgefangen. Daraufhin wurden alle frischen Ampullen aus dem Verkehr gezogen. Doch so schnell gab der 77-Jährige nicht klein bei. Er holte alte, abgelaufene Ampullen aus dem Lager, entfernte die Etiketten und bedruckte diese mit einem Haltbarkeitsdatum bis 2015 oder 2016.
1,1 Millionen binnen zehn Monaten
"Der Aufwand hat sich gelohnt", konzedierte der Staatsanwalt. Binnen zehn Monaten habe der Angeklagte 17.400 Ampullen mit einem gefälschten Ablaufdatum in Verkehr gesetzt, damit seine Kunden getäuscht und mit diesem Betrug einen Erlös von 1,1 Millionen Euro erzielt. Sein Klient sei berechtigt gewesen, neue Etiketten anzubringen, da ihm als Chemiker klar war, dass das Ukrain nach wie vor wirksam war, belehrte Verteidiger Adrian Hollaender vor Gericht: "Das sind alkaloide Salze. Und Salze verderben nicht."
Die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität und Korruption wirft ihm und zwei wegen mitangeklagten Frauen - seine Ex-Frau und seine langjährige Sekretärin - schweren gewerbsmäßigen Betrug vor. Dabei steht die Fälschung des Ablaufdatums im Vordergrund.
Ampulle für 145 Euro
Gegen die Beschlagnahme hatte sich der 77-Jährige mit einer Amtshaftungsanklage gegen die Republik zur Wehr gesetzt. Dabei gab er an, eine Ampulle um 145 Euro verkauft zu haben. Auch darin erblickte der Staatsanwalt ein betrügerisches Handeln. In Wahrheit hätte eine Ampulle nur 77 Euro gekostet, der Angeklagte habe also den angeblich ihm entstandenen Schaden um 380.000 Euro zu hoch angesetzt.
"Pflanze hat eine Wirkung"
Der Angeklagte weist die gegen ihn gerichteten Vorwürfezurück und hob die Wirksamkeit des Präparats hervor. Er habe die heilende Wirkung des Schöllkrauts in der damaligen Sowjetunion zufällig entdeckt und damit zunächst seinen an Krebs erkrankten Bruder behandelt. "Ich habe ihn berührt und gespürt, dass das Mittel wirkt. Der Tumor ist zurück gegangen. Da habe ich gewusst, die Pflanze hat eine Wirkung", stellte er fest.
In weiterer Folge habe er das Präparat entwickelt und unter der Bezeichnung Ukrain patentieren lassen: "Die Basisforschung ist an 64 Instituten und Universitäten durchgeführt worden. 188 Wissenschafter in der ganzen Welt waren beteiligt."
Noch in den 1980er-Jahren habe er eine Krebs-Patientin damit behandelt, die von den Ärzten bereits aufgegeben und zum Sterben nach Hause geschickt worden sei: "Sie lebt bis heute. Sie ist 88 Jahre alt." Auch seinen eigenen Krebs habe er mit dem Schöllkraut, das er teilweise eigenhändig im Prater ernte, "weggebracht", berichtete der 77-Jährige: "Ich lebe!" Er nannte mehrere Ärzte, die mit seinem Präparat ihre Patienten behandelt hätten.
Verteidiger: Positives Feedback vom Arzneimittelbeirat
Wie Verteidiger Adrian Hollaender betonte, sei sogar der Arzneimittelbeirat des Gesundheitsministeriums zum Schluss gekommen, "dass das Präparat sehr gut verträglich ist". Ukrain sei nicht nur in der Ukraine und in Georgien, sondern auch in den USA und Australien zugelassen.