Die Anklage gegen Cihan C. (44) liest sich wie aus einem Mafia-Roman. Der gebürtige Türke vergab in Wien-Ottakring Kredite an Pechvögel, verlangte dann dafür laut Anklage Wucherzinsen. Konnten die Opfer nicht zahlen, wurde ihnen Gewalt angedroht. "Ok, du hast jetzt keine Schulden mehr. Verabschiede dich von deiner Familie und allen, die du noch sehen willst. Du wirst noch drei Monate leben", soll er im Mai 2020 einem Landsmann gedroht haben. Cihan C. hatte ihm 45.000 Euro Kredit zu einem monatlichen Zinssatz von 12 Prozent gewährt.
Einem weiteren Opfer gab er angeblich 5.000 Euro Kredit, verlangte dafür aber pro Monat 1.000 Euro Zinsen. Als das Opfer den geforderten Betrag nicht zahlen konnte, wurde es gefährlich. Der Verdächtige soll ihm angedroht haben, ihn vor die Schnellbahn in Wien-Ottakring zu werfen. Dabei bedrohte er den Mann mit einer Pistole.
Gleich mehrere Personen sollen bei dem mutmaßlichen Kredithai in die Falle getappt sein. So nahm ein Wiener 18.000 Euro Schulden bei dem Angeklagten auf. Er sollte dafür 10.000 Euro Zinsen binnen sechs Wochen zahlen. Als er das Geld nicht aufbringen konnte, forderte der Angeklagte 1.000 Euro pro Tag – bis die Schulden getilgt sind. Dazu schickte Cihan C. dem Opfer mehrere SMS mit dem sinngemäßen Inhalt, dass er sein Haus anzünden und seine Fenster einschlagen werde. Dem Mann schlug er laut Anklage auch mit der Faust ins Gesicht.
Geldwucher und schwere Nötigung lauteten die Vorwürfe der Anklage. Vor Gericht machte Cihan C. (44) – gut verteidigt von Top-Anwalt Philipp Wolm – am Dienstag in Wien keine Aussage zu den Vorwürfen. Er bekannte sich aber schuldig. Das milde Urteil: 18 Monate bedingte Haft – nicht rechtskräftig. Es gilt die Unschuldsvermutung.