Wirtschaft

Kreditnehmer verzweifelt: "Jedes Monat im Minus"

Seit Monaten steigen die Zinsen bei Krediten. Die Belastung bei Kreditnehmern hat sich nahezu verdoppelt.

Heute Redaktion
Hunderttausende Menschen in Österreich haben sich ihre Traumhäuser mit variabel verzinsten Krediten finanziert.
Hunderttausende Menschen in Österreich haben sich ihre Traumhäuser mit variabel verzinsten Krediten finanziert.
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Wohnen wird immer teurer. Mieten gehen inflationsbedingt durch die Decke. Noch härter trifft es jene, die sich ein Haus oder eine Eigentumswohnung gekauft haben und dafür einen Kredit mit variablem Zinssatz aufgenommen haben.

Zinsbelastung verdoppelt

Dass diese risikoreicher sind als fixverzinste Kredite, ist bekannt, doch mittlerweile hat sich die monatliche Zinsbelastung innerhalb eines Jahres etwa verdoppelt.

Starkstromtechniker Manuel Frank zahlte im Juni 2022 noch 1.000 Euro Kreditrate, mittlerweile sind es 1.800 Euro, hinzu kommt noch die vierteljährliche Soll-Zinslage von 3.200 Euro, berichtet das "Ö1-Morgenjournal".

"Die finanzielle Situation ist sehr schwer, wir gehen jedes Monat ein paar 100 Euro ins Minus, bis jetzt schaffen wir es noch, aber wie lange ist die Frage", sagt er.

Frank hat den Kredit von 380.000 Euro bei der ING-DiBa auf 35 Jahre aufgenommen, variabel verzinst. Vermittelt wurde dieser von einem Finanzberater. Was es bedeutet, wenn die Zinsen steigen, wurde ihm nicht vorgerechnet, betont er: "Es ist nie von einem Fix-Zinssatz gesprochen worden." 

Von 1.400 auf 2.300 Euro Rate

Auch Christine P. und ihr Mann haben sich ein kleines Haus in Niederösterreich gekauft und dafür bei der Raiffeiesenbank 385.000 aufgenommen. Aus ursprünglich 1.400 Rate sind mittlerweile 2.300 Euro Rate geworden.

"Wir haben nächstes Monat wieder eine neue Berechnung und ich gehe davon aus, dass wir dann bei 2.500 Euro stehen", sagt die Hilfsköchin.

Das übersteigt das Gehalt ihres Mannes. Die beiden haben auch noch ein Kind und Haustiere. "Es belastet mich immens, wir drehen jedes Monat dreimal das Geld um", so Christine P. Sie hat sich mittlerweile ans Sozialministerium gewandt.

Eine Laufzeitverlängerung sei für sie keine Option. Christine P. ärgert sich, sich nicht besser informiert zu haben: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auf einen Fix-Zins gepocht."

Wie Gabriele Skubic, die die Abteilung Konsumentenpolitik in der AK leitet, im "Ö1-Morgenjournal" erklärt, ist dies derzeit ein größer werdendes Problem, es gebe alleine in Wien täglich mehrere Anfragen pro Tag.

Expertin sieht Banken in der Pflicht

"Wer sich auf das Risiko eines variablen Zinssatzes einlässt, hat auch eine eigene Verantwortung, aber Experten sind die Banken und die haben die Verpflichtung, darauf zu achten, ob Kreditnehmer über die gesamte Laufzeit den Kredit auch bedienen können. Und da ist es wichtig, Zinsberechnungen zu machen und dem Kunden das Zinsrisiko vorzurechnen", so die Expertin.

Die variablen Kredite sind in einer niedrigen Zinsphase verkauft worden. "Die Banken haben zu wenig darauf geachtet, ob sich der Kunde das noch leisten kann, wenn die Kreditraten so hoch steigen", betont Skubic.

Die Banken haben angekündigt, den Kreditnehmern entgegenzukommen. Laut Skubic gebe es mehrere Möglichkeiten, wie etwa die Laufzeit zu verlängern, befristet zu stunden oder den Umstieg auf einen Fixzins vorzunehmen. Die Banken seien laut ihren Angaben in der Pflicht, die Kunden zu unterstützen. 

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