Vorwurf der Propaganda

Kreml meldet Einnahme von Dorf, das es gar nicht gibt

Russland feiert die Einnahme eines ukrainischen Dorfes als Erfolg an der Front. Doch Shcherbakovka existiert offiziell seit 1997 gar nicht mehr.
Newsdesk Heute
13.08.2026, 14:02
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Russland verkündet einen neuen Erfolg an der Front – doch ausgerechnet der eroberte Ort sorgt für Verwunderung. Das Dorf Shcherbakovka in der Region Charkiw, über das Moskau nun die Kontrolle übernommen haben will, existiert offiziell bereits seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Am Abend des 11. August meldete das russische Verteidigungsministerium die vermeintlichen Geländegewinne. "Heute haben die russischen Streitkräfte Novoye Pole in der Region Saporischja befreit und die Kontrolle über Shcherbakovka in der Region Charkiw übernommen", hieß es auf dem Telegram-Kanal des Ministeriums.

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Videos zeigen zerstörte und überwucherte Häuser

Passend zur Mitteilung veröffentlichte die russische Seite Videoaufnahmen, die den militärischen Erfolg zeigen sollen. Darauf sind Explosionen sowie zerstörte und stark überwucherte Häuser zu erkennen. Die Bilder werfen allerdings Fragen auf: Shcherbakovka macht keineswegs den Eindruck eines bewohnten Dorfes.

Dafür gibt es einen einfachen Grund. Der Ort wurde bereits 1997 wegen fehlender Einwohner offiziell aus dem Register gestrichen. Wie RBC-Ukraine berichtet, lebte zu diesem Zeitpunkt keine einzige Person mehr dort.

Ukraine spricht von russischer Desinformation

Das ukrainische Center for Countering Disinformation wertet die russische Erfolgsmeldung deshalb als Propaganda. Die staatlichen ukrainischen Fact-Checker bezeichnen die angebliche Eroberung als "typisches Beispiel für russische Desinformation, die darauf abzielt, die Illusion eines kontinuierlichen und erfolgreichen Vormarsches der russischen Streitkräfte an allen Fronten zu erzeugen".

Nach ukrainischer Darstellung sind derartige Meldungen aus Moskau kein neues Phänomen. Auch bei anderen Orten gingen die Angaben beider Kriegsparteien über die Kontrolle von Gebieten bereits auseinander.

Streit um Kontrolle über Kupjansk

So hatte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow wiederholt die Einnahme der Ortschaft Kupjansk gemeldet. Die ukrainische Seite widersprach diesen Angaben und bestritt, die Kontrolle über das Gebiet verloren zu haben.

Im Fall von Shcherbakovka sorgt nun vor allem ein Umstand für Aufsehen: Russland präsentiert die Übernahme eines Dorfes als militärischen Erfolg, das bereits 1997 offiziell aufgehört hat zu existieren.

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