Überfüllte Spitäler und Arztpraxen, dicke Luft in der Ärzteschaft, heillos überfordertes Pflegepersonal und keine Besserung in Sicht: Mit akuten Schmerzen war ein Angestellter aus Niederösterreich im Spital Neunkirchen nicht behandelt worden, nicht anders ergeht es einem sportlichen Wiener.
Der 32-jährige Vollblutstürmer hatte sich bei einem Match im Frühjahr in Wien-Liesing einen Kreuzbandriss zugezogen. "Ich merkte sofort, dass da was gerissen ist." Um hundertprozentige Sicherheit zu erlangen, musste eine Magnetresonanz (MRT) durchgeführt werden. Geplante Wartezeit für einen Termin: drei bis vier Wochen. Für 200 Euro bekam der Wiener jedoch zwei Tage später einen Termin.
Ähnlich erging es dem Angestellten in weiterer Folge bei der Suche nach einem Physiotherapeuten: Auch hier waren die Kassenplätze völlig überfüllt. Der schnellstmögliche Termin konnte erst in drei Monaten vergeben werden. "Um mit der Therapie so schnell wie möglich zu beginnen, musste ich wieder in die eigene Tasche greifen", erzählt der 32-Jährige weiter. Kostenpunkt: 900 Euro.
Nach langem Hin und Her sollte der Angestellte im Oktober 2023 endlich am Knie operiert werden. Doch dann die ärgerliche Nachricht aus dem Wiener Unfallkrankenhaus: Der Eingriff könne heuer nicht mehr vollzogen werden.
Der nächstmögliche Termin: Ende Februar 2024. "Von den Schmerzen her ist es aushaltbar, aber es ist natürlich nicht sehr aufbauend zu wissen, dass man jetzt fünf weitere Monate nicht aktiv sein oder gar Fußball spielen kann", erklärt der bullige Topscorer.
Seit der Corona-Pandemie müssen viele, viele Patienten im ganzen Land auf dringend notwendige Eingriffe warten. Im Landesklinikum Scheibbs wartete man im Frühjahr 2023 im Schnitt 41 Wochen – also mehr als ein dreiviertel Jahr – auf eine solche Knie-OP, bei der Hüfte sind es 39 Wochen Wartezeit.
"Es ist wurscht, wohin Du gehst, es herrscht überall völlige Überlastung und akuter Personalmangel. Der Leidtragende ist der Patient", bringt es ein Spitalsarzt aus NÖ auf den Punkt. Einzig ein Öffnen der Brieftasche würde freilich viele (Operations-)Türen öffnen.