Ukraine

Folterten Ukrainer Russen? Wirbel um brutalen Clip

Die Ukraine untersucht laut einem Bericht der "Bild" eigene Kriegsverbrechen. Der Auslöser ist ein mutmaßliches Folter-Video, das im Netz kursiert. 
Nikolaus Pichler
29.03.2022, 06:34

Die deutsche "Bild"-Zeitung machte die Ermittlungen am Montag publik. Demzufolge wurde am Sonntag beim Messenger-Dienst Telegram ein rund fünfminütiges Video veröffentlicht, das Kriegsverbrechen ukrainischer Soldaten und freiwilliger Kämpfer an russischen Kriegsgefangenen zeigen soll.

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Auf dem Video laut "Bild" zu sehen: Etwa 20 angebliche Ukrainer, die zehn mutmaßliche Putin-Soldaten misshandeln, verhören und anschießen, nachdem sich diese bereits ergeben haben. Die Aufnahmen zeigen jeweils einen gezielten Schuss auf die Beine von drei gefesselten russischen Gefangenen. Etwa sieben weitere Russen liegen in dem Video mit Schussverletzungen an den Beinen am Boden.

Aufregung nach Skandal-Clip

In den sozialen Medien schlug das Video hohe Wellen. Auch darum äußerte sich nur Stunden später ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymir Selenski (44) zu den Folter-Aufnahmen, verurteilte sie und versprach eine Untersuchung des Militärs.

Oleksiy Arestovych erklärt im Interview mit dem russischen Aktivisten Mark Feygin, das Video zeige "ein absolut inakzeptables Verhalten". "Das ist ein Kriegsverbrechen". Arestovych betonte, es werde "eine Untersuchung geben", die Verantwortlichen würden "hart" bestraft werden. Er appellierte und versprach zugleich: "Wir misshandeln keine Kriegsgefangenen, wir sind eine europäische Armee."

Deutliche Hinweise auf Kriegsverbrechen

Das deutsche Boulevardmedium zeigte den Clip zwei Experten. Ihnen zufolge sprächen die mutmaßlichen ukrainischen Täter im Video Russisch, jedoch teils mit hörbar ukrainischem Dialekt. Gemäß der deutschen Zeitung sollen sich die Szenen zudem am Samstag oder Sonntag im kleinen Ort Mala Rohan, etwa drei Kilometer südlich der ostukrainischen Metropole Charkiw absgespielt haben.

Der ukrainische Journalist Jurij Butusow berichtet laut "Bild", dass Mala Rohan am Samstag von ukrainischen Truppen zurückerobert wurde. Dabei seien "mehr als 30 russische Soldaten und ihnen zugeteilte Söldner aus den besetzten Gebieten gefangen genommen" worden.

Zahlreiche Ermittlungen 

Bei den mutmaßlichen Kriegsverbrechern soll es sich um ukrainischen Soldaten der 92. Mechanisierten Brigade der Armee und Freiwilligentrupps im Umfeld des "Regiment Asow" handeln. Insgesamt gäbe es deutliche Hinweise, dass es sich bei den Handlungen in den Aufnahmen um tatsächliche Kriegsverbrechen handele, heißt es weiter. 

Aktuell ermitteln zahlreiche Stellen wie die UN zu möglichen Kriegsverbrechen in der Ukraine. Bisher betrafen die Verdachtsmomente jedoch stets russische Truppen. Der Kreml dementiert die Berichte über Kriegsverbrechen russischer Soldaten. Eine vergleichbare Untersuchung Russlands fand bisher noch nicht statt. 

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