Wirtschaft

Kritik und Häme über neues Lauda-Kapperl

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:25

Bei der Präsentation seines neuen Sponsors Novomatic wehrte sich Niki Lauda am Donnerstag gegen aufkommende Kritik an der Auswahl seines Geldgebers. Wieviel sich der Glücksspielkonzern aus Niederösterreich sein berühmtes Testimonial kosten lässt, wollte der Ex-Rennfahrer nicht verraten. Spott musste sich Lauda erst am Dienstag in der TV-Show "Willkommen Österreich gefallen lassen.

Bei der Präsentation  wehrte sich Niki Lauda am Donnerstag gegen aufkommende Kritik an der Auswahl seines Geldgebers. Wieviel sich der Glücksspielkonzern aus Niederösterreich sein berühmtes Testimonial kosten lässt, wollte der Ex-Rennfahrer nicht verraten. Spott musste sich Lauda erst am Dienstag in der TV-Show "Willkommen Österreich gefallen lassen.

Für Glücksspiel zu werben, ist für den Formel-1-Weltmeister überhaupt kein Problem. Kritikern begegnet er harsch. Er habe sich sehr "gewundert", dass sich etwa der Grünen-Politiker Peter Pilz über seine neue Kappe echauffierte, sagte Lauda.

"Steuergeld hinausschmeißen"

Pilz solle sich besser um die Mariahilfer Straße kümmern respektive nicht dort "Steuergeld hinausschmeißen". Würde man dem Ruf des Politikers folgen, würden 3.000 Novomatic-Mitarbeiter ihren Job verlieren, so Lauda.

Pilz, ein ausgesprochener Gegner des Automatenspiels, der sich schon öfter mit Novomatic angelegt hat, kommentierte Laudas neue Werbepartnerschaft in der deutschen Zeitung "Welt" folgendermaßen: "Vielleicht haben Flugzeuge und Formel-1-Autos Herrn Lauda da die Sicht auf die Realität verstellt." Und weiter: "Von der Milch zum organisierten Glücksspiel ist es ein weiter Weg. Mit Milchsucht haben wir in Österreich nach meinem Wissen kein Problem. Mit Spielsucht schon."

Angriff auf Stermann und Grissemann

Für Lauda ist das ein "Untergriff". Klagen will er den Politiker aber nicht. Nicht lustig fand Lauda auch die Kommentare zu seinem neuen Sponsor in der ORF-Kabarettsendung "Willkommen Österreich" (siehe Video rechts bei ca. 3 Minuten).

Die einzige Entschuldigung dafür wäre, dass die Moderatoren zu viel getrunken haben, sagte der Airlinegründer. Wie Glücksspiel mit Laudas berühmter Bescheidenheit ("Ich habe nichts zu verschenken") unter einen Hut zu bringen ist? Novomatic sei ein High-Tech-Unternehmen, das weltweit vertreten ist - "das passt absolut in meine Ausrichtung".

"Über Geld habe ich noch nie gesprochen"

Der Ex-Rennfahrer und -Airlineunternehmer ist weiter ein Rotkäppchen - dies, obwohl die Konzernfarbe von Novomatic eigentlich blau ist. "Es war mein Wunsch, dass die Kappe rot ist", so Lauda. Wieviel der neue Werbepartner zahlt, verrät er freilich nicht. "Über Geld habe ich noch nie gesprochen. Es ist nie so viel wie Sie alle glauben." Laudas Vertrag mit dem Glücksspielkonzern läuft vier Jahre.

Seite 2: Die Kapperl-Sponsoren von Niki Lauda!

Der Kult um Laudas Kopfbedeckung hat einen recht profanen Ursprung. Nach seinem Unfall 1976 am Nürburgring setzte der schwerverletzte Rennfahrer ein Kapperl auf, weil sonst die Bandagen nicht gehalten hätten. Freilich schützte es ihn auch vor "ungenierten Blicken" der Menschen auf seine Verletzungen, wie er es im Jahr 2007 einmal ausdrückte. So ein Kapperl trägt Lauda schon drei Monate - "weil ich durch meine Verbrennungen auf der Stirn nicht schwitze", erzählte er am Donnerstag.

"Parmalat"-Kapperl hatte Kultstatus

Am längsten trug Lauda ein rotes Kapperl mit dem Schriftzug "Parmalat". Der italienische Molkereikonzern, damals auch Sponsor des früheren Formel-1-Weltmeisters Jack Brabham, sponserte den Österreicher 25 Jahre lang. Für seinen ersten Vertrag 1977 soll Lauda 100.000 Schilling (7.267,28 Euro) jährlich bekommen haben.

Parmalat war einer jener Lauda-Sponsoren, die wirtschaftlich nicht gerade brilliert haben. Zu Weihnachten 2003 wurde ein 14 Milliarden Euro schweres Loch in der Bilanz entdeckt. Der Konzern ging spektakulär bankrott, neben Gläubigern schauten auch mehr als 100.000 Kleinanleger durch die Finger.

Auch Oerlikon und MSG gingen Pleite

Der Schweizer Industriekonzern Oerlikon, von 2007 an ein paar Jahre Laudas Werbepartner, schaffte es gerade noch, einer Pleite zu entkommen. Mit Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008/2009 geriet das Unternehmen arg in Finanznot, Riesenschuldenberg und Verluste inklusive. Lauda nahm sein Kapperl. Dank des harten Sparkurses - tausende Mitarbeiter mussten gehen - riss Oerlikon aber letztendlich das Ruder herum.

Persönlich betroffen war Lauda schließlich vom Zusammenbruch der Liechtensteiner Money Service Group (MSG) im Jahr 2011. Der 64-Jährige hatte nämlich privat 500.000 Euro bei der Finanzgruppe investiert. Das Geld ist futsch, der Gründer des Finanzkonglomerats, Michael Seidl, wanderte Ende 2012 in Liechtenstein ins Gefängnis. Er soll Anleger um 30 Mio. Euro betrogen haben. Lauda sollte von der Money Service Group 1,2 Mio. Euro im Jahr erhalten, gesehen hat er nur die erste Rate von 400.000 Euro.

Nur einmal war das Kapperl Blau

Das MSG-Kapperl war das einzig blaue, das Laudas Haupt zierte. Hernach wurde Lauda Markenbotschafter einer Investmentgesellschaft aus Abu Dhabi - die Aabar-Kopfbedeckung war wieder rot. Genauso wie einst jene des deutschen Heiztechnikkonzerns Viessmann, sein Financier nach Parmalat, der Lauda gerüchteweise 750.000 Euro im Jahr zahlte.

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