Wien

Job nach 13 Jahren weg – Wienerin drohte Delogierung

Immer mehr Menschen stehen durch die Teuerungen kurz vor der Delogierung. "Wohnen darf kein Luxus sein", fordert nun die Arbeiterkammer. 
Yvonne Mresch
26.01.2023, 14:53
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13 Jahre lang war Andrea R. (Name geändert) bei einer Firma beschäftigt. Die Corona-Pandemie brachte ihr die Kündigung. Die Wienerin schlitterte in eine psychische Krise. Durch das geringe Einkommen kam es schließlich zu Mietzinsrückständen. Kein Einzelfall, wie die Arbeiterkammer und die Volkshilfe Wien in einer gemeinsamen Pressekonferenz kritisierten.

Elf Prozent der Österreicher können Wohnung nicht ausreichend heizen

Neue Zahlen der Statistik Austria zeigen: Die Geldnot bei Wohnkosten nimmt zu. Viele Menschen kommen nicht mehr über die Runden, Energieabrechnungen, Miete und Kredite werden zur schier unüberwindbaren Herausforderung. So geben etwa 30 Prozent der Österreicher an, dass sie in den nächsten drei Monaten mit Zahlungsschwierigkeiten bei den Wohnkosten rechnen. Im vierten Quartal 2021 waren es erst zwölf Prozent. Über elf Prozent sagen, ihre Wohnung nicht mehr ordentlich heizen zu können.

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AK fordert Mietpreisdecken und Sofort-Entlastungen

Bei der AK Wien melden sich 500 Menschen pro Monat in der Wohnrechtsberatung – allein wegen der Teuerungen. Sie fragen nach, ob der hohe Mietzins rechtens sei, fragen nach Beihilfen oder Förderungen oder berichten von Zahlungsschwierigkeiten. Es sei "fünf nach zwölf", so die Kritik von AK und Volkshilfe, die den Bund in die Pflicht nehmen. Ein Mietdeckel (Erhöhungen nur einmal pro Jahr und maximal um zwei Prozent) sowie Sofort-Entlastungen für Mieter seien nötig. Auch eine "wirksame, bundesgesetzliche Leerstandsabgabe" müsse her, Kurzzeitvermietungen sollten eingeschränkt werden und Befristungen abgeschafft. Bei den Maklerprovisionen gäbe es immer noch "Schlupflöcher".

"Was soll noch passieren, dass etwas passiert?"

"Die neuen Zahlen sind dramatisch", so Thomas Ritt, AK-Leiter der Abteilung Wohnen. "So kann es nicht weitergehen. Viele sind jetzt schon an der Armutsgrenze und das wird sich noch weiter verschärfen. Wohnen muss leistbar sein. Was soll noch passieren, dass endlich was passiert." "Wir erleben gerade eine Zeitenwende der sozialen Sicherheit, die immer mehr Menschen betrifft und die ein entschlossenes und langfristiges Entgegenwirken der Politik nötig macht", stellt auch Volkshilfe-Chefin Tanja Wehsely klar. Ein "schnelles umfangreiches Handeln" sei wichtig.

AK: Delogierung kann teuer werden

Ist Feuer am Dach, hilft der Wohnschirm, ein Programm des Sozialministeriums, das von der Volkshilfe abgewickelt wird, aus. Seit März 2022 konnten so 2.300 Wohnungen österreichweit gehalten werden. Die Hälfte aller Betroffenen Haushalte mit Kindern sind Alleinerzieher. Laut AK kann eine Delogierung teuer werden: Ist ein Mieter mit den Mieten von rund 2.500 Euro säumig, entstehen geschätzte Gesamtkosten pro Delogierung von 30.900 Euro für Mieter, Vermieter und Sozialstaat. Es brauche eine "wirksame Wohnpolitik", fordert Ritt.

Für Andrea R. geht es mittlerweile wieder bergauf. Die zuständige Beratungseinrichtung erstellte einen Haushaltsplan, um die finanzielle Situation zu stabilisieren. Das Ansuchen bei Wohnschirm wurde rechtzeitig gestellt, um einen Räumungstermin zu verhindern. Die Wienerin arbeitet nun in der Gastronomie und kann die Miete wieder bezahlen.

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