Künstler Franz Josef Baur liebt sein Leben in Wien. Die Stadt, die Menschen, die Möglichkeiten – und auch das Privileg, mit seiner Kunst in der Öffentlichkeit arbeiten zu können. Trotzdem merkte er irgendwann, dass er eine Pause brauchte. "Ich war irgendwann von mir selber total überfordert", erzählt er im "Heute"-Talk. "Ich musste die Notbremse ziehen, dass ich mich selber wieder spüre. Wer bin ich und wo will ich hin."
Also packte FJ vor fast drei Monaten seine Koffer und tauschte die Großstadt gegen das genaue Gegenteil: Orient, ein kleines Dorf auf Mallorca mit rund 30 Einwohnern, 10 bis 15 Häusern und nicht mal einem Supermarkt. "Einen Ort wo’s nichts gibt – nur dich und dich", schwärmt er – denn genau danach hat der Künstler gesucht. Denn er selbst ist in einem kleinen Dorf in Deutschland aufgewachsen und weiß: "Ich merke das einfach, wie mich das Landleben anzieht, da bin ich ganz eng bei mir."
Dennoch dauerte es Wochen, bis er erstmals vollkommene Ruhe verspürte. Mittlerweile ist Orient für ihn "wie eine kleine Gemeinschaft" geworden – und genau dort entstand schließlich etwas Neues: "Ein Sommer in Orient – Ein Augenblick nur für uns". Für Baur ist das Projekt weit mehr als eine Fotoserie. Es ist das Ergebnis eines Sommers, in dem er Abstand gewonnen, beobachtet und wieder neue Inspiration gefunden hat.
Bei seinen Recherchen stieß Baur auf Erzherzog Ludwig Salvator, der Mallorca bereits vor mehr als 150 Jahren bereiste und auch das kleine Bergdorf Orient festhielt. Dass ein österreichischer Erzherzog genau hier unterwegs war, faszinierte ihn. Also wollte auch er seinen ganz eigenen Blick auf den Ort festhalten. Gemeinsam mit dem mallorquinischen Model Delia Marjorie und der Fotografin Lola Fritz entstand eine Fotoserie, in der Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Eine Aufnahme der Serie erschien bereits vergangene Woche in der "Mallorca Zeitung".
Am Mittwoch lässt der Künstler das Inselleben wieder hinter sich und setzt sich in den Flieger. Aber: Die Menschen, die er kennengelernt hat, die Ruhe und das bewusste Leben haben Spuren hinterlassen. Ein Stück der Ruhe will er mitnehmen – und künftig auch in seinem Alltag bewusst Platz dafür schaffen.