Zwischenrufe bei "Schandwache" am Lueger-Denkmal

Die Initiatoren wollen verhindern, dass die Graffiti vom Ehrenmal abgewaschen werden.

Das Denkmal für den früheren Bürgermeister Karl Lueger am Wiener Stubentor wurde wiederholt von Unbekannten beschmiert – "Heute" berichtete. Hintergrund: Lueger war Antisemit, der mit Hetzreden gezielt populistische Stimmungsmache betrieb. Eine Gruppe von Künstlern will jetzt verhindern, dass die augesprühten Schriftzüge abgewaschen werden.

"Schandwache" für Graffiti

Seit Juli ist auf dem Ehrenmal sieben Mal das Wort "SCHANDE" zu lesen. Die Wiener Behörden haben das Denkmal nun mit einem Bauzaun abgesperrt und bereiten offenbar die Säuberung der Skulptur vor. Die KünstlerInnen Eduard Freudmann, Mischa Guttmann, Gin Müller, Simon Nagy und Anna Witt stellen sich gegen dieses Vorhaben und starteten am Montag das Projekt "Schandwache" zum Schutz der Schande-Graffiti.

Die Gruppe fordert von Bürgermeister Ludwig und Vizebürgermeisterin Hebein ein klares Bekenntnis zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals und zur Umbenennung des Lueger-Platzes. "Die Graffiti markieren das Denkmal als das, was es ist: eine Schande. Die Graffiti müssen bleiben, bis eine grundlegende Umgestaltung des Lueger-Denkmals realisiert worden ist. Ihre Entfernung wäre ein weiterer Akt des Antisemitismus", so die Gruppe.

Umgestaltung des Denkmals unwahrscheinlich

Mit ihren Forderungen stößt das Kollektiv allerdings auf wenig Gegenliebe: "Das Denkmal ist mit der Anbringung einer erklärenden Zusatztafel in seinen historischen Kontext gesetzt. Auch im Hinblick auf den Platz sollte Geschichte nicht wegradiert, sondern sichtbar gemacht werden", erklärt City-Bezirkschef Markus Figl (ÖVP), der sich gegen eine Umbenennung ausspricht.

Auch Kultur-Stadträtin Veronika Kaup-Hasler (SPÖ) erteilt den Plänen eine Absage: "Die Stadt steht für einen offenen Diskurs über den Umgang mit Denkmälern und historischen Symbolen und befürwortet grundsätzlich Kontextualisierungen ambivalenter Persönlichkeiten. In Sachen Erinnerungs- und Gedenkkultur hat sich in den letzten Jahren diskursiv viel getan. Man kann daher nicht einfach auf alte Konzepte und alte Entwürfe zurückgreifen. Wenn man Partizipation ernst nimmt, dann braucht es einen umfassenden Prozess mit allen Beteiligten – mit Anrainern, Historikern, dem Bezirk, den zuständigen Magistratsabteilungen und nicht zuletzt dem Bundesdenkmalamt."

Grüne für Umbenennung des Platzes

Vize-Bürgermeisterin Birgit Hebein verweist auf Nikolaus Kunrath, Sprecher für Erinnerungskultur der Grünen Wien. Dieser spricht sich ebenfalls für eine klare Kontextualisierung und eine Schrägstellung des Denkmals aus: "Ich bin nicht der Meinung, dass man das verstecken kann. Das kleine, schwarze Taferl ist allerdings zu wenig. Da braucht es schon eine Kontextualisierung, die man wirklich erkennen kann", so Kunrath. Eine Umbenennung des Platzes würde der Politiker allerdings gutheißen: "Mein Vorschlag wäre, ihn nach der Malerin und Kunstpädagogin Friedl Dicker-Brandeis zu nennen."

Laut Kunrath wäre eine Umbennung des Platzes möglich, die Initiative dazu müsste allerdings vom Bezirk ausgehen: "Der Bezirk kann einen Vorschlag machen. Das geht dann an die MA 7. Wenn sie ja sagt, geht das weiter an den Verkehrsflächen-Unterausschuss. Dann wird das Thema im Kulturausschuss behandelt und schließlich im Gemeinderat."

Zwischenrufe von Passanten

Bei der Eröffnung der "Schandwache" vor Pressevertretern kam es auch zu Zwischenrufen (Video oben). "Das wissen wir eh, dass Antisemitismus eine Katastrophe ist", kritisierte ein Passant, "aber wir können ja nicht alles, was in der Geschichte schlecht war, niederreißen!"

Der Lueger-Platz und das Lueger-Denkmal stammen aus dem Jahr 1926. Der einst nach ihm benannte Dr.-Karl-Lueger-Ring wurde 2012 bereits in Universitätsring umbenannt.

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