Kuhschädel zum 40er verärgern Tierschützer

Die noch immer gebräuchliche Tradition von Sau- und Kuhschädel zum 30. und 40. Geburtstag von Junggesellen stößt dem Verein "RespekTiere" sauer auf.

"Un-un-unfassbar! Ein anderes Wort fällt uns dazu wirklich nicht mehr ein!", heißt es seitens des Tierschutzvereins "RespekTiere".

Der Verein "RespekTiere" habe schon des Öfteren "auf diese wirklich jeder Beschreibung spottende ‚Tradition' in Niederösterreich aufmerksam gemacht. Jetzt ist der Zeitpunkt aber endgültig erreicht, wo wir das grausame Brauchtum so nicht mehr hinnehmen und ein gesetzliches Verbot einfordern!

Die Rede ist von der abgrundtief barbarischen Platzierung eines Schweine- oder Kuhschädels vor dem Haus eines Junggesellen, der seinen 30. bzw. 40. Geburtstag unverheiratet angeht. Seit Gedenken hat sich in der Region besagtes Ritual gehalten, durchgeführt meist von der Landjugend. Da wird doch tatsächlich direkt vor dem Heim des ‚Beschenkten' ein Gerüst errichtet, geschmückt mit bunten Luftballons... und, ach wie lustig, als 'Hauptattraktion': ein abgetrennter Rinderkopf! Um Missverständnissen zuvorzukommen, es handelt sich dabei nicht um künstliche Häupter, sondern um jene von kürzlich getöteten Tieren!", kritisiert der Verein.

Die jüngsten Fälle ereigneten sich in der Gemeinde Karlstetten nahe St. Pölten. "Aber es ist ein generelles Problem, wir haben schon des öfteren darüber berichtet - erst vor wenigen Wochen war bei Hadersdorf im Bezirk Krems ganz Gleiches passiert. Wir als Verein RespekTiere werden nächste Woche eine Petition dazu veröffentlichen, mit dem Ziel, diesen Brauch endgültig abzuschaffen. Nun einmal haben wir Anzeige erstattet, bezüglich einer Verletzung des Anstands, der Sitten und des Seuchenschutzgesetzes. Weiters kommt das Tiermaterialiengesetz (Bundesgesetz): § 10 zum Tragen, welches eine zwingende Ablieferungspflicht für 'tierische Nebenprodukte' an Fachfirmen vorsieht", so Tom Putzgruber vom Verein "RespekTiere".

Die Anzeige wurde dem Polizeiposten Prinzersdorf sowie der betreffenden Gemeinde, der BH St. Pölten und der Tierschutz-Ombudsfrau übermittelt.

„Diese Aktion von Brauchtumspflege, vermutlich von Freunden, hat mich nicht besonders gestört, erfreut war ich natürlich nicht", sagte der Jubilar gegenüber den "NÖN". Viel mehr habe ihn jedoch die schriftliche Stellungnahme vom Tierschutzverein „RespekTiere" verärgert. „Diese ist sehr übertrieben und an den Haaren herbeigezogen."

Karlstettens Bürgermeister Thomas Kraushofer sagte zu den "NÖN", er war „nicht sehr glücklich, als er über diese Aktion informiert wurde". Auf eine Brauchtumspflege mit Tierköpfen in der angeführten Art könne verzichtet werden: „Die Gemeinde wird mit dieser Aktion in ein schiefes Licht gerückt. Brauchtumspflege ja, aber in vernünftiger Art und Weise."

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