Kunst-Profi fordert Gagen-Stopp für Direktoren

Kunst-Experte Gerald Matt hat einige Forderungen an die neue Kulturstaatssekretärin. (hier als Kurator der Spencer-Tunick-Retrospektive in Palermo)
Kunst-Experte Gerald Matt hat einige Forderungen an die neue Kulturstaatssekretärin. (hier als Kurator der Spencer-Tunick-Retrospektive in Palermo)(Bild: Roger Kühne)
Von einem Gagen-Stopp für Direktoren bis zu einem eigenen Ministeramt für die neue Staatssekretärin – Kunst-Experte Gerald Matt hat einige Vorschläge, was die Kunst jetzt wirklich braucht.

Die Staatssekretärin ist bestellt. Ich wünsche ihr bei der Rettung der Kulturnation Österreich – und um nichts weniger geht es nun – alles Glück der Welt. Was tut nun Not :

Existenz- und Struktursicherung und vor allem Solidarität und Innovation. Am Beispiel der bildenden Kunst: ein unbürokratisches Sofortprogramm zur existenziellen Absicherung der ihrer Einkommenschancen beraubten Künstlerinnen und Künstler. Bayerns 1.000-Euro-Unterstützung könnte hier Beispiel sein.

Die Führung einer Debatte über Gerechtigkeit. Momentan haben wir eine beamtengleiche Absicherung samt Spitzengagen auf der einen Seite und prekaristisches Durchwursteln und Kämpfen am Existenzminimum auf der anderen Seite.

Museumsöffnungen ja, aber auch Lösung der damit verbundenen Probleme: Ausgleichsfonds für jene bisher erfolgreichen Museen mit hohem Eigendeckungsgrad, die durch Ausbleiben der Besucher und Touristen um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Jedoch keine Akzeptanz für unsolidarisches Anmelden von Kurzarbeit von öffentlich gut finanzierten Häusern.

Verzicht auf Teile von Spitzendirektorengehältern und Bodie Arbeit der Künstler an Ausstellungen.

Verschieben prestigeträchtiger, teurer Großausstellungen zugunsten des Arbeitens mit der eigenen Sammlung und von Auftragsvergaben an Künstler vor Ort.

Das Ausbleiben von Touristen als Chance sehen, Menschen vor Ort wieder zu gewinnen: Gratiseintritte oder "All you can pay"-Programme ja, aber auch Ernstnehmen der Besucher durch interessante Themen und verständliche Kommunikation frei von eitlem Fachchinesisch.

Reaktivierung von Programmen der Kunst im öffentlichen Raum: Wenn die Menschen – aus Angst – nicht zur Kunst und ins Museum kommen, dann müssen die Kunst und die Museen eben zu den Menschen kommen.

Überbrückungshilfen für die kleinen Nonprofit-Kunstinitiativenund Kunsthäuser, sie sind die Biotope für unsere Kunstszene.

Finanzierung eines Rettungsschirms für Österreichs Kunstwirtschaft. Staat und Privat sind kein Gegensatz ! Vorgezogene Ankäufe von Künstlern und Galerien (!) durch Museen und Staat.

Sicherung der heimischen Kunstmessen, eine (befristete) steuerliche Absetzbarkeit von Kunstankäufen.

Das Kulturland Österreich braucht vor allem endlich ein wirkungsmächtiges Kulturministerium. Frau Staatssekretärin, bitte kämpfen Sie darum.

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