Kunstwerk am Graben zeigt Wienern bald die Zunge

Was ist denn da hinter schwarzem Plastik versteckt? Morgen, Freitag, wird am Graben ein neues Kunstwerk enthüllt.

Noch sieht es aus wie eine Baustelle mit kleinem Bauzaun, die Passanten laufen daran vorbei. Ab morgen, Freitag, wird sich das ändern. Denn das von "Kunst im öffentlichen Raum" (KÖR) initiierte Kunstwerk "Slip of the tongue" von Alexandra Bircken – es wird um 16.30 Uhr am Graben (Höhe Nr. 21) im Beisein von Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP), Kultur-Stadträtin Veronica Kaup-Hasler und KÖR-Geschäftsführerin Martina Taig enthüllt – wird mit Sicherheit alle Blicke auf sich ziehen. 

Die temporäre Installation verbirgt derzeit noch eine 2,12 Meter lange, rot lackierte Alu-Zunge, die an einem sechs Meter langem Essstäbchen sowie an einem 1,50 Meter hohen und 3,4 Tonnen schweren Beton-Stahl-Fundament befestigt ist. Am Mittwoch wurde die Riesenzunge von 6.30 Uhr bis zum späteren Vormittag montiert – allerdings nicht ohne Probleme: "Ein Bewehrungseisen wurde von einem Bohrer erwischt, das machte das Einkleben der Gewindestangen sehr mühsam und hat einige Bohrer verschlissen. Schließlich klappte es aber, und der Kleber konnte eingefüllt werden", erklärt Architektin und KÖR-Expertin Monika Trimmel.

Riesenzunge ist 2,12 Meter hoch und 198 kg schwer

Anschließend wurde die Zunge am Betonsockel befestigt. Bis der Kleber vollständig getrocknet war, wurde die 198 Kilogramm schwere Riesenzunge von einem Kran gehalten. Anschließend wurde noch ein Rohr montiert, das wie Sushi aussieht, sowie das Essstäbchen, das auf dem Kopf steht. "Das Essstäbchen ist zusätzlich mit der Zunge statisch verbunden, was für einen noch besseren Halt sorgt", so Trimmel.

Zusätzlich zu der starken Verankerung wurde das Kunstwerk auch geerdet: "Die Leute können es also ohne Bedenken angreifen. Raufklettern sollten sie allerdings nicht, auch wenn ein Piercing in der Zunge dazu einlädt. Das Piercing – es handelt sich um eine Edelstahl-Kugel – ist allerdings verschweißt mit der Zunge, kann also nicht entwendet werden", so Trimmel. Die Fertigung der Alu-Guss-Zunge war eine Herausforderung: "Die Zunge wurde in vier Teilen mit Kunststoff vorgefertigt und dann gegossen. Anschließend wurde sie bearbeitet und geschliffen, sodass die Vorderseite rau und die Rückseite glatt ist. Auch die Schweißnähte sind nicht mehr zu sehen", meint die KÖR-Expertin.

Kunstwerk thematisiert die Sprache

Die Intention der deutschen Künstlerin Alexandra Bircken (53), die vergangenes Jahr mit ihrer Ausstellung "Unruhe" in der Secession für Aufsehen sorgte und an der Akademie der Bildenden Künste in München unterrichtet, ist es nicht nur die Zunge zu zeigen. Der Titel "Slip of the tongue" bedeutet so viel wie Versprecher, verbaler Ausrutscher und macht klar, dass es hier vor allem ums Sprechen geht, um die Fähigkeit der Zunge, Wörter zu Sprache werden zur lassen, ihnen eine Stimme zu geben. 

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