Kurz sagt ohne Maske "Abstand halten" – alle lachen

Der Kanzler lässt die Maske fallen: Am Mittwoch war Sebastian Kurz (ÖVP) zu Besuch im Kleinwalsertal (Vorarlberg). Er verzichtete auf eine Schutzmaske, seine Anhänger auf den gebotenen Abstand.

Sebastian Kurz bewegt die Massen. Auch in Vorarlberg. So, als hätte es Corona nicht gegeben, standen sie am Mittwoch dicht gedrängt auf den Straßen – die Einwohner von Mittelberg im Ländle. 5.075 Einwohner zählt das kleine Dörfchen im Kleinwalsertal. So gut wie alle von ihnen waren auf den Beinen – zumindest wirkt es auf Fotos und Videos so.

Kleinwalsertal abgeschnitten

Eigentlich logisch, bei dem hohen Besuch aus Wien, der sich in dem Ort gestern einstellte. Überhaupt – so ehrlich muss man sein – war der Bundeskanzler der erste Besucher von außen seit geraumer Zeit; schließlich ist das Kleinwalsertal auf dem Landweg nur über Deutschland zu erreichen. Da die Grenzen bekanntlich geschlossen sind, ist das kleine Tal quasi vom Rest des Landes abgekapselt. Noch. Denn ab 15. Juni sollen die Grenzen zu Deutschland wieder geöffnet werden.

Gerade in solchen Zeiten tut Besuch von außen doppelt gut. Und auch Sebastian Kurz genoss den Ausflug in den Westen sichtlich. Im weißen Hemd und mit modischer schwarzer Regenjacke ausgerüstet, formulierte er: "Mich persönlich freut es, nach zehn Wochen in Wien wieder als Bundeskanzler die Möglichkeit zu haben, in direkten Austausch mit der Bevölkerung und den Verantwortlichen vor Ort, in den Bundesländern, zu kommen."

Im Überschwang der Reisegefühle dürfte der Kanzler seine eigenen mit der Bundesregierung ersonnenen Empfehlungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kurzerhand beiseite gelegt zu haben. So verzichteten sowohl Kanzler Kurz als auch sein Gastgeber, Landeschef Markus Wallner, auf Mund-Nasen-Schutz, der im Freien auch nicht vorgeschrieben ist. Mittelbergs Bürgermeister Andi Haid hatte zwar eine Maske dabei, trug sie aber nur als modisches Accessoire um den Hals. 

"Abstand halten" – und alle lachen

Ein von den Vorarlberger Nachrichten veröffentlichtes Video zeigt, wie der Kanzler die freudig-erregte Menschenmenge abschreitet. Manche Vorarlberger schwenken angesichts des hohen Besuchs sogar die rot-weiß-rote Fahne. Die Patrioten klatschen frenetisch, verzichten aber auch mehrheitlich auf eine Schutzmaske. Bei einer kurzen Ansprache gesteht Kurz dann ein: "Wir improvisieren da jetzt ein bisschen. Jetzt sind viele Leute da." Dann müht er sich redlich, einen konstruktiven Vorschlag einzubringen: "Ich bitte euch alle, ein bisserl einen Abstand zu halten – so gut wie möglich." Reaktion: Lacher.

Kurz: "Nicht leichtfertig werden"

Kurz geht weiter im Text und spricht den von der Außenwelt abgeschnittenen Kleinwalsertalern Mut zu: "Ihr habt sicher eine ganz besondere Situation gehabt. Ich möchte 'Danke' sagen fürs Durchhalten." Dann diagnostiziert er: "Die Ansteckungszahlen sind niedrig." Der maskenlose Kanzler fügt an: "Wir dürfen nicht leichtfertig werden. Mit Deutschland, Liechtenstein und die Schweiz werden mit 15. Juni die Grenzen gänzlich geöffnet, damit auch der Tourismus wieder anlaufen kann. Aber wir müssen weiter diszipliniert sein, damit das alles möglich wird."

"Einen zweiten Lockdown wollen wir alle vermeiden."

Auch einen kleinen Seitenhieb auf die Hauptstadt kann sich Kurz im schwarz regierten Vorarlberg nicht verkneifen, so sagt er: "Auch wenn es im Kleinwalsertal keine Neuinfektionen gibt, in anderen Bundesländern, auch in Wien, gibt es sie." Er empfiehlt also: "Abstand halten, Desinfektion der Hände". Warum das alles? "Damit wir den Erfolg, den wir gemeinsam zustande gebracht haben, aufrecht erhalten können. Und verhindern, dass es einen zweiten Lockdown gibt – das wollen wir alle vermeiden."

Neos kündigen Anzeigen an

Warum Kurz noch mal schnell gekommen ist? Nun ja, eigentlich, um mit acht Vertretern der Gemeinde eine Gesprächsrunde zu führen. Dafür musste er sich extra eine Transitgenehmigung im bayrischen Innenministerium besorgen, um überhaupt anreisen zu können. Der Ausflug könnte Folgen haben: Die Neos kündigten noch in der Nacht an, den Kanzler anzeigen zu wollen. Beate Meinl-Reisinger tippte auf Twitter: "Jedenfalls Open Air scheint freigegeben. Im Ernst: Das geht nicht. Entschuldigt euch und ermöglicht wieder Konzerte, Theaterstücke, Kabarettabende. Mit bissl Willen geht das. Mit Kreativität statt Bürokratie!"

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