Am Dienstagmorgen kam es erneut zu heftigen israelischen Luftangriffen auf die südlibanesische Stadt Tyros. Laut libanesischen Behörden wurden dabei mindestens acht Menschen getötet und 32 weitere verletzt. Rettungskräfte sind weiterhin im Einsatz, um Verschüttete aus den Trümmern zu bergen.
Bereits zuvor hatte das israelische Militär die Bewohner von Tyros und umliegender Viertel zur sofortigen Evakuierung aufgerufen. Viele Menschen flohen in den Norden, während Hilfsteams versuchten, Unterkünfte für die Vertriebenen zu organisieren. Libanesische Medien berichten: Die Lage in Tyros sei besonders dramatisch, da erstmals auch das christliche Viertel von Evakuierungsanordnungen betroffen ist.
Die Angriffe auf Tyros erfolgten nach eigenen Angaben Israels als Reaktion auf Raketenbeschuss durch die Hisbollah, die im Süden des Libanon über großen Rückhalt verfügt. Das israelische Militär erklärte, man reagiere damit auf fortgesetzte Verstöße gegen die Waffenruhe.
Unterdessen sollen laut US-Botschafter Michel Issa in Beirut die Verhandlungen zwischen Israel und Libanon in Washington bald fortgesetzt werden, auch wenn die Waffenruhe weiterhin brüchig ist. Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, Ziel sei ein Nichtangriffspakt und eine umfassende Friedenslösung. Die Gespräche werden von den USA vermittelt.
Die jüngste Eskalation folgt auf einen zwischenzeitlichen Stopp der Kampfhandlungen zwischen Israel und Iran. Beide Seiten hatten nach Druck aus den USA erklärt, ihre Angriffe aufeinander einzustellen. Dennoch dauern die Gefechte zwischen Israel und der Hisbollah im Süden des Libanon an, und die Lage bleibt unübersichtlich.
Tyros zählt zu den ältesten durchgehend bewohnten Städten der Welt und beherbergt bedeutende archäologische Stätten. Die Stadt ist ein Zentrum der schiitischen Bevölkerung im Libanon und liegt nahe drei offiziellen palästinensischen Flüchtlingslagern. Seit Beginn des aktuellen Konflikts wurde Tyros immer wieder zum Zufluchtsort für Menschen aus dem Süden – und geriet selbst ins Visier von Luftangriffen.