Land zahlt Reinigungskraft 2.450 Euro – zu viel?

Beschwerden über zu hohe Gehälter – das sind wir seit der Causa Casino gewohnt. Nun lässt ein Jobinserat für Reinigungskräfte in den sozialen Netzwerken die Wogen hochgehen.
Saubere Ausschreibung: Das Land Burgenland hat in der "Kronen Zeitung" nun ein Jobinserat geschalten. Gesucht wird eine Reinigungskraft. So weit, so gewöhnlich. Spannend wird es unter dem Punkt "Ihre Entlohnung" – ausgeschrieben ist die Stelle nämlich zu einem Gehalt von 2.450 Euro bei Vollbeschäftigung.

ÖVP verärgert: "Leistung nichts mehr wert"



Dass Putzkräfte künftig deutlich mehr verdienen als noch vor einem Jahr, ist dem im Landesdienst heuer eingeführten Mindestlohn von 1.700 Euro netto bei einer 40-Stunden-Woche geschuldet. Die betroffenen Mitarbeiter wird's freuen, in den sozialen Netzwerken entflammte aber prompt eine hitzige Diskussion über die – nach Ansicht Dutzender User – zu hohe Entlohnung.

Auch Christoph Wolf, Landesgeschäftsführer der ÖVP Burgenland, hat sich via Facebook in den Disput gemengt. "Ist das wirklich fair?", fragt der Politiker. Und gibt für sich selbst gleich eine Antwort: "Leistung, Verantwortung und Ausbildung sind im Burgenland nichts mehr wert. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Wer wird das alles bezahlen? Willkommen Kommunismus pur. Gleichmacherei im großen Stil ..."

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Doskozil: "Wir sprechen von 10 Euro netto in der Stunde. Das ist ein gerechter Lohn. Ich diskutiere das sehr gerne."


"Heute" sprach mit Hans Peter Doskozil (SP) über sein Prestigeprojekt, den Mindestlohn. Der Landeshauptmann kontert:

"Wir sprechen von 10 Euro netto in der Stunde – für eine vielleicht alleinerziehende Frau, die eine Miete zahlen muss und leben können muss. Die Wirtschaft will ja auch, dass diese Frau zum Frisör geht, dort 80 Euro zahlt oder mit ihrem Auto in die Werkstatt fährt und dort 110 Euro in der Stunde zahlt. Wie soll sie das stemmen? Ich diskutiere die Höhe von 1.700 Euro netto daher sehr gerne. Das ist ein gerechter Lohn."

Wolf: "Willkommen Kommunismus pur. Das sind Fehlentwicklungen im Land."


VP-Wolf will das so nicht stehen lassen und vergleicht: "Eine neue Kindergartenpädagogin bekommt 2.495 Euro brutto. Das sind Fehlentwicklungen im Land, die unsere Kindeskinder noch ausbaden werden. Uns sind Ausbildung, Erfahrung, Verantwortung und Leistung im Job enorm wichtig. Genau deshalb sagen wir doch all unseren Kindern seit vielen Jahrzehnten, warum es wichtig ist, eine fundierte und gute Bildung zu haben. Mit dieser Gleichmacherei bewirken wir das Gegenteil!"

Auf Wolfs Facebookseite wird die Thematik seither hitzig diskutiert. Ein Auszug aus den Postings: "Sie machen sich lächerlich", "Was verdienen Sie denn, Herr Wolf? Landtagsabgeordneter, Bürgermeister und nebenbei auch noch Steuerberater", schreiben Facebooknutzer dort. Es gibt aber auch Postings, die eine "tiefrote Politik" anprangern und feststellen: "Es muss mehr Türkis ins Burgenland, damit das nicht so weitergeht."

Der Aufgabenbereich der gesuchten 2.450-Euro-Putzkraft



Stichwort Zukunft. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil will an seinem Mindestlohn festhalten und empfiehlt seiner Partei eine Umsetzung – "überall dort, wo die SPÖ Entscheidungen treffen kann". Das hitzig diskutierte Jobinserat listet übrigens auch den Aufgabenbereich (siehe Bildstrecke) einer Landesreinigungskraft penibel. Reinigung sämtlicher Räumlichkeiten, Entsorgung des bereits getrennten Mülls sowie Einhaltung der Hygienevorschriften und Qualitätsstandards werden verlangt. "Berufserfahrung im Bereich Reinigung" sei "von Vorteil" – das lässt sich das Burgenland künftig "mindestens 2.450 Euro bei Vollbeschäftigung" kosten. Ist das gerecht? Abstimmen in der großen "Heute"-Umfrage!

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