Langsame Justiz: Drogen-Baron aus Haft entlassen

Ziemliche Blamage: Trotz dringenden Tatverdachts, belastenden Zeugenaussagen, Observationen und eindeutigen Telefonüberwachungen wurde Wiens Drogen-Baron Boban J. enthaftet. Wegen eines Formalfehlers.

Auf Zeit spielen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, hat sich für den "Hasch-König"ausgezahlt. Seit Ende September 2017 schon ermittelt die Kripo gegen Boban J. und seine Hintermänner.

Im Juni des Vorjahres klickten für den dringend tatverdächtigen Bandenboss die Handschellen. Seither saß er im Wiener "Landl"

in einer Zelle. Nun der Knalleffekt: Diese Woche – dies erfuhr "Heute" – musste Boban J. völlig überraschend freigelassen werden.

Gewiefter Anwalt

Sein gewiefter Anwalt Philipp Wolm hat die Justiz mit einem juristischen Kunstkniff bis auf die Knochen blamiert. Für Menschen, die in U-Haft sitzen, sieht die Strafprozessordnung nämlich ein "Beschleunigungsgebot" vor.

So soll verhindert werden, dass Verdächtige, für die selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, zu lange mit Freiheitsentzug bestraft werden. Sie könnten ja völlig schuldlos sein.

So ein Fall ist auch Boban J. Und das, obwohl ihm die Polizei die Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Suchtgiftanbau und -schmuggel im allergrößten Stil anlastet. In einem Verschlussakt, der "Heute" vorliegt, ist von 3,7 Tonnen Marihuana die Rede.

Luxus-Leben

Damit soll die Bande um Boban J. stolze 18,77 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Alles nur blühende Phantasie? Unklar. Fakt ist: Der Hausarbeiter mit 2.000 Euro Nettolohn besitzt zwei Villen und eine 600.000 Euro teure Uhr.

Er fährt Mercedes, Ferrari und Rolls-Royce. Von der Zelle aus soll Boban J. eine Zeugin angestiftet haben, ihm gefälschte Casino-Gewinnbestätigungen zu organisieren.

Da nicht nur im Glücksspiel alles möglich ist, ist er dennoch frei. Mit Reisepass. Ohne Fußfessel. Anwalt Wolm wollte das nicht kommentieren, sagte nur: "Es ist richtig, dass mein Klient enthaftet wurde."

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