Mutter vor Gericht

"Lassen Sie ihre Kinder in Ruhe" – Richterin stinksauer

Mit ihren Kindern soll eine 51-Jährige jahrelang Einbrüche verübt haben. Vor Gericht zeigte sie kaum Einsicht - die Richterin fand deutliche Worte.
André Wilding
30.07.2026, 20:40
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Ein Prozess am Landesgericht Leoben hat am Mittwoch selbst eine erfahrene Richterin sprachlos gemacht. Auf der Anklagebank saß eine 51-Jährige aus dem Bezirk Liezen, die laut Anklage gemeinsam mit ihren minderjährigen Kindern in mehrere Häuser eingebrochen sein soll – das berichtet die "Kleine Zeitung".

Nach den Ermittlungen soll die Frau ihre vier Kinder auf Diebestouren zwischen Stainach-Pürgg und St. Gallen mitgenommen haben. Während einige Schmiere standen oder Gegenstände mitnahmen, sollen Fenster eingeschlagen worden sein. Nach einem mutmaßlichen Einbruch in Wörschach im vergangenen Jahr wurde die Gruppe von einem Nachbarn beobachtet und schließlich ausgeforscht, heißt es in dem Bericht weiter.

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"Die Idee war nicht von mir"

Vor Gericht bestritt die bereits vierfach vorbestrafte Frau, die treibende Kraft gewesen zu sein. "Die Idee war nicht von mir. Es war ein Zufall. Wir sind nur auf der Suche nach Lost Places herumgefahren, aber nicht mit dem Gedanken einzubrechen. Es gibt 100.000 YouTuber, die solche Videos machen. Das ist leider Gottes ein Trend", wird die Frau in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Ihre vier Kinder schilderten die Vorfälle jedoch anders und belasteten ihre Mutter bei der Polizei schwer. Laut den Aussagen soll sie das Diebesgut auf Flohmärkten verkauft und von dem Geld Drogen gekauft haben.

Auch ihr mittlerweile 19-jähriger Sohn musste sich vor Gericht verantworten. Die Richterin trennte die beiden Angeklagten gleich zu Beginn der Verhandlung, nachdem die Mutter die Aussagen ihres Sohnes wiederholt anzweifelte.

"Ich werde es nicht zulassen, dass Sie Ihre Kinder in irgendeiner Art und Weise beschuldigen", stellte die Richterin laut "Kleine Zeitung" unmissverständlich klar.

Kinder brachen Kontakt ab

Der Sohn schilderte, wie die Einbrüche abgelaufen sein sollen. "Ich weiß nicht mehr viel, sie hat Geld gebraucht und dann sind wir mit dem Auto gefahren und haben ein Haus gesucht, wo es keine Zeugen gibt." Auf die Frage, wer Fenster oder Türen aufgebrochen habe, antwortete er: "Meistens eh die Mama. Manchmal auch ich. Meine Geschwister nicht, weil sie noch so klein waren."

Nach Angaben im Prozess haben alle vier Kinder seit rund einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Zwei der minderjährigen Geschwister sagten als Zeugen aus und wollten ihr dabei nicht begegnen. Der 15-jährige Sohn widersprach einer Behauptung der Mutter sofort. "Nein, das hat immer alles sie vorgehabt."

Seine Schwester berichtete, sie sei bereits seit ihrem neunten Lebensjahr auf die Diebestouren mitgenommen worden. Am Ende ihrer Aussage richtete sie noch einen eindringlichen Appell an das Gericht. "Die Mama hat ganz viele Tiere, denen geht es nicht gut. Und sie hat Drogen daheim, die sie auch an Jugendliche verkauft", wird das Mädchen in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Richterin findet klare Worte

Bis zuletzt sah sich die 51-Jährige als Opfer. "Meine Kinder schieben immer alles auf mich", wird die Frau im Bericht der Tageszeitung zitiert. Richterin Sabine Anzenberger reagierte darauf mit deutlichen Worten:

"Mit den Einbrüchen habe ich nicht so ein Problem, sondern damit, dass sie ihre Kinder mithineingezogen haben. Ich glaube, Sie wissen gar nicht, was Sie ihnen angetan haben. Lassen Sie ihre Kinder in Ruhe."

"Schauen Sie, dass Sie ein ordentliches Leben führen"

Die 51-Jährige wurde laut "Kleine Zeitung" zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon sechs Monate unbedingt. Zusätzlich erhielt sie eine Geldstrafe von 2.000 Euro. Das Verfahren gegen den 19-jährigen Sohn wurde eingestellt. Er muss 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 200 Euro Gerichtskosten bezahlen.

"Nutzen Sie die Chance, und schauen Sie, dass Sie ein ordentliches Leben führen", gab ihm die Richterin mit auf den Weg.

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