Lautstarker Protest gegen Lehrerkürzungen in Wien

"Herr Wiederkehr, gib die Lehrer wieder her": Unter diesem Motto demonstrierten heute tausende Pädagogen und Eltern gegen die Neuzuteilung der Lehrer.

Punkt 14 Uhr wurde es heute, Montag, im sonst so ruhigen Rathauspark (City) laut. Tausende Pädagogen, Eltern und Kinder (angezeigt wurde die Demo für rund 1.000 Teilnehmer, es wurden geschätzt 2.500) trafen sich hier um gegen die Neuzuteilung von Lehrerdienstposten und -stunden zu demonstrieren. Von hier aus zogen die Demonstranten über den Universitätsring, Schottenring, Börsegasse und Renngasse zur Bildungsdirektion Wien in der Wipplingerstraße. Mit im Gepäck hatten sie alles was Krach macht: Megafone, Pfeifen, Klingeln und Tröten.

Auf Höhe der Renngasse fand eine Zwischenkundgebung statt, bevor sich der Zug weiter Richtung Bildungsministerium in Gang setzte. Hier, am Minoritenplatz und vor den Fenstern von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) fand die Schlussgebung statt.

"Meine Lehrerin sagt, ich bin gescheit. Mein Bildungsstadtrat sagt, ich bin ein Verlierer"

Auf unzählige Schilder hatten sie ihre Kritik und Forderungen geschrieben. Eine Volksschülerin trug ein Schild mit der Aufschrift "Nehmt mir nicht meinen Förderunterricht", andere kritisierten die "Kürzungen" (Vizebürgermeister und Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr, Neos, wies das zurück, er sprach von Umverteilungen und versprach 100 Lehrer mehr) ausgerechnet nach den Corona-Lockdowns samt Homeschooling, andere wurden politisch: "Neos gewählt, Lernziel verfehlt".

Ein Volksschüler brachte seine Kritik besonders deutlich auf den Punkt: "Meine Lehrerin sagt, ich bin gescheit. Mein Bildungsstadtrat sagt, ich bin ein Verlierer". Auch im Gespräch mit "Heute" machten eine Lehrerin, ein Vater und ein Pädagogik-Student ihrem Ärger Luft.

Volksschul-Stützlehrerin zeigt sich schockiert

"Wir sind total schockiert über die Einsparungen", erzählt Stützlehrerin und Personalvertreterin Susanne W. Sie unterrichtet in einer Volksschule, hat mittlerweile 30 Jahre Berufserfahrung. Auch an ihrer Schule führe das, am 16. Juni freigegebene Kontingent (der Lehrer, Anm.) dazu, dass zwei Kollegen eingespart würden. Eine Kollegin "eine ganz eine Junge" wisse nun nicht, wohin sie kommen wird, kritisiert Frau W. So gehe es vielen.

Als Stützlehrerin betreut Susanne W. lernschwache Kinder. Etwas, was in ihrer Schule schon seit drei Jahren eingespart werde, wie sie erzählt. Auch nach Corona, obwohl es immer heiße, es werde kein Kind zurückgelassen. Von der seitens der Stadt versprochenen Transparenz merkt sie nichts: "Niemand weiß, wohin die Stunden kommen". Sie kenne keine Schule, auch keine Brennpunktschule, die nun tatsächlich mehr bekommen würden. 

"Alleine in meinem Freundeskreis gab es fünf Kündigungen"

Simon, Studierendenvertreter an der Pädagogischen Hochschule Wien ist gekommen, um ein Zeichen gegen Bildungskürzungen zu setzen und für ein besseres Schulsystem zu kämpfen. Er fordert genügend Lehrstellen in Wien und ein Nein zur Abschaffung von Integrationsklassen. "Und nicht bei den Studierenden sparen. Wir haben sehr viele, die gerade auch in der Coronazeit unser Schulsystem stützen. Bei denen wird zuerst gespart. Alleine in meinem Freundeskreis habe ich fünf Kolleginnen und Kollegen, die jetzt aufgrund dieser Einsparungen gekündigt worden sind". 

Simons Plan war es, im Laufe des kommenden Jahres zu arbeiten zu beginnen, aber "ich werde es mir vielleicht noch einmal überlegen".

"Brauchen Lehrer, nicht Verwahrung mit Freizeitpädagogen"

"Ich bin da, weil es wichtig ist, für die Bildung unserer Kinder mehr Ressourcen zu haben", betont Bernhard K. Er ist Vater einer Tochter, die eine Volksschule in Penzing besucht. Und hier Änderungen in der Lehrerzuteilung wohl hautnah miterleben wird. "Wenn die Änderungen so kommen, werden drei Integrations-Mehrstufenklassen gestrichen und zerrissen". 

Aber diese würden wichtige Arbeit für Integration und Inklusion und soziale Bildung leisten. Gerade nach einem Jahr wie dem Coronajahr zu sparen, hält Herr K. für falsch. Auch der Ausbau bei den Freitzeitpädagogen, wie seitens der Stadt angekündigt, stellt ihn nicht zufrieden: "Wien wächst und wir brauchen qualitätsvolle Beschulung. Nicht nur Verwahrung mit Freízeitpädagogen, sondern mehr Lehrer", so der verärgerte Papa. Er ersucht "dringend" darum, die Mittel für die Stadt Wien in Bezug auf Lehrerposten zu erhöhen. Damit es in Wien nicht zu einem "Kannibalisierungsprozess" kommt – oder wie ein anderer Demonstrant auf seinem Schild schreibt, Wien nicht "zu einem erzbischöflichen Privatgymnasium" wird.

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