Nach dem Lawinenunglück im Sellrain an Samstag sind unfassbare Details bekannt geworden. Eines der Opfer bat zwei Tourengeher um Hilfe, diese fuhren aber rücksichtslos weiter. Ein verschütterter Steirer kämpft in der Innsbrucker Universitätsklinik um sein Leben.
Das , das am Samstag im Gemeindegebiet von Sellrain in Tirol unter den Schneemassen begraben worden ist, ist Sonntagnachmittag seinen schweren Verletzungen erlegen. Mittlerweile wurde bekannt, dass zwei Tourengeher verweigerten, zu helfen.
Am Tag nach dem Drama in Tirol wurde bekannt, dass es während der Rettungsaktion zu unterlassener Hilfeleistung zweier unbeteiligter Skitourengeher gekommen sein soll. Nach Information des Lawinenwarndienstes Tirol auf seinem Internetblog bat ein von dem Lawinenabgang Betroffener zuerst einen abfahrenden Tourengeher um Hilfe beim Ausgraben einer aufgefundenen Person. Dieser meinte, es "interessiere ihn nicht" und soll weitergefahren sein.
Der Suchende habe sich daher an einen aufsteigenden Skitourengeher gewandt. Aber auch dieser soll negiert und seinen Weg fortgesetzt haben. "Das ist moralisch höchst bedenklich", äußerte sich Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst auf der Homepage und fügte hinzu: "Laut unseren Informationen wird nun gegen Unbekannte ermittelt." Experten seien in Richtung Zischgeles unterwegs, um gemeinsam mit der Alpinpolizei die Unfallanalyse durchzuführen.
Lawinenopfer verstorben
Der 38-jährige Mann, der nach Angaben der Polizei bei dem Alpinunfall total verschüttet und "erst nach längerer Zeit geortet und ausgegraben" worden war, ist am Sonntag verstorben. Der Steirer wurde auf der traumatologischen Intensivstation der Universitätsklinik Innsbruck betreut.
Nach seinem Auffinden soll ein Beteiligter den Kopf des Steirers freigelegt und mit den Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Notarztes begonnen haben. Die Crew des ÖAMTC-Notarzthubschraubers "Christophorus 1" grub den Verunfallten zur Gänze aus.
Ein von den Schneemassen weiterer Verschütteter, ein 49-jähriger Innsbrucker, wurde nach Angaben der Exekutive ebenso schwer verletzt. Auch er wurde nach Innsbruck gebracht.
Vater und Tochter verwendeten Lawinenairbags
Die beiden Tourengeher waren gemeinsam auf den rund 3.000 Meter hohen Zischgeles in den Stubaier Alpen unterwegs gewesen. Ebenso war ein 46-jähriger Deutscher mit seiner 16-jährigen Tochter auf den Berg gegangen. Als das Schneebrett kurz vor 14.30 Uhr auf einer Seehöhe von rund 2.800 Meter losbrach, konnten sich die Urlauber dank eines Lawinenairbags an der Schneeoberfläche halten. Sie erlitten dadurch nur leichte Verletzungen. Ein weiterer Tourengeher war alleine unterwegs gewesen. Der 40-jährige Einheimische konnte sich laut Polizei durch eine Schussfahrt in Sicherheit bringen. Bei der Suche standen neben 21 Mann der Bergrettung auch sechs Lawinenhundeführer und zwei Helikopter im Einsatz.
Derzeit erhebliche Lawinengefahr in Tirol
Die Lawinensituation in den Tiroler Skigebieten haben Experten am Samstag als "heikel" bezeichnet. Sie beurteilten die Gefahr als "erheblich", der Stufe "3" auf der fünfteiligen Skala. Besonders steile Hänge oberhalb von 2.000 Meter Seehöhe seien zu meiden. Am Samstag waren auch Lawinen in Serfaus und in den Tuxer Voralpen abgegangen.
APA/red