Leak legt Tausende falsche Bewertungen bei Amazon offen

Beinahe 15.000 Screenshots zeigen, wie leicht Amazon-Online-Händler an falsche 5-Stern-Bewertungen kommen. Dabei spielt der Kunde eine wichtige Rolle.

Beim Online Shopping sind oft die Bewertung anderer Kunden ausschlaggebend dafür, ob ein Produkt tatsächlich gekauft wird oder nicht. Daher ist es wichtig, dass sich Kunden auf diese Bewertungen verlassen können. Dass diese aber nicht immer wahrheitsgetreu sind, zeigt ein neuer Leak, den die Online-Plattform heise.de publik gemacht hat.

Ein unbekannter Informant hat der Plattform Insider-Informationen zu solchen Bewertungs-Scams zukommen lassen. Darunter befanden sich 14.359 Screenshots, die Käufe verschiedenster Produkte auf Amazon genaustens abbildeten. Rund die Hälfte der Bilder belegte den Kauf eines Produktes, die andere Hälfte zeigte die Bewertung, die für dasselbe Produkt abgegeben wurde. Bei allen Bewertungen handelte es sich um 5-Stern-Bewertungen.

Geld für Bewertung

Rasch wurde klar, was die Screenshots zeigten: eine Masche, die im Online-Handel bestens bekannt ist. Dabei kauft ein Kunde ganz offiziell ein Produkt und bewertet dieses mit der besten Wertung. Danach schickt er Screenshots des Kaufs und der Bewertung als Beweise an einen Vermittler, der ihm das Geld für den Kauf zurückbezahlt. Mit dem Deal sind alle Beteiligten zufrieden: Der Händler erhält eine Top-Bewertung und der Kunde ein Gratisprodukt. Ob die 5-Stern-Bewertung der Wahrheit entspricht, kann dem Käufer also egal sein.

Solche Deals werden oft online über Plattformen wie Facebook oder Telegram abgeschlossen. Mithilfe von Bot-Programmen läuft dies meist ganz automatisch ab. Der Leak zeigt, dass über den Server, welcher vom Leaker benutzt wurde, monatlich rund 800 falsche Bewertungen fabriziert werden. Die Produkte, die bewertet wurden, kosteten oft weniger als 50 Euro. Außerdem befinden sich alle dokumentierten Händler dieses Servers in China.

Persönliche Informationen öffentlich

Für den Kunden, der diesen Scam mitmacht, ist die Situation aber auch nicht gänzlich ungefährlich. So zeigen die Screenshots die Namen und die Adressen der Besteller unverschlüsselt und können also leicht eingesehen werden. Dies stellt ein großes Sicherheitsrisiko dar.

Solche Scams sind bei Amazon bekannt, und das Unternehmen nimmt immer wieder neue Schritte im Kampf gegen falsche Bewertungen vor. So gewann Amazon beispielsweise im Februar in Deutschland einen Rechtsstreit, bei welchem sich das Unternehmen bestätigen ließ, dass es Händlern verbieten darf, den Kaufpreis von Produkten bei guten Bewertungen zurückzuerstatten. Außerdem hat der Konzern erst vor kurzem rund 20.000 Bewertungen zu Produkten aus China von seiner Seite gelöscht. Denn sie waren allesamt von nur sieben Bewertern verfasst worden.

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