Österreich

Lebenslang für Mord mit Fleischerbeilen

Heute Redaktion
14.09.2021, 16:29

Zu lebenslanger Haft ist ein türkischstämmiger Tiroler, der im Juni 2006 an einem Mord an einem Dorfvorsteher in Ostanatolien beteiligt gewesen sein soll, am Mittwoch am Innsbrucker Landesgericht verurteilt worden.

Sieben Geschworene befanden den Angeklagten für schuldig, einer stimmte dagegen. Der 44-Jährige wurde auf Anordnung des Richters unmittelbar nach der Urteilsverkündung noch im Gerichtssaal verhaftet. Es liege wegen der Höhe der Strafe Fluchtgefahr vor, erklärte Richter Josef Geisler. Die Verhaftung war zuvor von Staatsanwältin Karin Schiffmann beantragt worden. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig, die Verteidigung legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein.

Der Spruch der Geschworenen sei "zweifelsfrei" und ohne Widersprüche gefällt worden, meinte Geisler. Erschwerend sei dem Angeklagten unter anderem angerechnet worden, dass er die Tat zusammen mit anderen verübt habe. Mildernd seien seine Unbescholtenheit und das lange Zurückliegen des Mordes zu werten gewesen. Der seit dem Jahr 1989 in Österreich lebende Mann soll im Juni 2006 gemeinsam mit seinen drei Brüdern das mit seiner Familie verfeindete Opfer mit Fleischerbeilen und Messern vorsätzlich getötet haben.

Auch für drei Brüder lebenslang

Der Prozess war wegen der Ladung weiterer Zeugen aus der Türkei bereits zweimal, im Mai 2009 sowie im Oktober 2010, vertagt worden. Die drei Brüder des Angeklagten wurden laut Staatsanwaltschaft bereits wegen Mordes in der Türkei und in Deutschland zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Im Falle des in Deutschland verurteilten Bruders sei das Urteil mittlerweile bereits rechtskräftig.

Für Mittwoch waren ursprünglich mehrere Personen zur Aussage vor Richter Geisler erwartet worden. Sie erschienen allerdings nicht. Lediglich die Einvernahmeprotokolle zweier türkischer Tatzeugen wurden verlesen. Der Inhaber jener Metzgerei, in dessen Geschäft die Tat verübt worden war, habe den Mann den Protokollen zufolge auf einem Foto identifizieren können.

Wollte Brüder nicht belasten

Der Beschuldigte hatte sich zu Prozessbeginn im Mai 2009 zu den Vorwürfen nicht schuldig bekannt. Weitere Aussagen wollte er danach nicht mehr tätigen, weil er seine Brüder nicht belasten wollte. Laut Staatsanwältin Karin Schiffmann habe es zwischen einem in der Türkei lebenden Bruder des Angeklagten und dem Dorfvorsteher seit 2005 einen Streit über Hirtengelder gegeben.

In weiterer Folge sei es zu Feindseligkeiten gekommen, die in einer Familienfehde gipfelten. Der Vater der vier Söhne habe schließlich beschlossen, den Dorfvorsteher zu töten. Der 44-Jährige und seine damals in Deutschland lebenden Brüder reisten daraufhin in die Türkei, um dem Willen des Vaters Folge zu leisten.

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