Lebensrettung "an der Grenze des Möglichen" am Glockner

Rettung von erschöpften Bergsteigern am Großglockner. Archivbild, 1. Juni 2014
Rettung von erschöpften Bergsteigern am Großglockner. Archivbild, 1. Juni 2014picturedesk.com/EXPA/Bergrettung
Mitten in einem Schneesturm mussten ein Hüttenwirt und eine Bergführerin zwei erschöpfte Alpinisten vom Großglockner retten. 

"Dieser Einsatz war an der Grenze des Möglichen", erzählt der erfahrene Bergführer Toni Riepler (45) gegenüber der "Kleinen Zeitung". Seit drei Jahren bewirtschaftet der Tiroler höchstgelegene Schutzhütte Österreichs, die auch "Adlersruhe" genannte Erzherzog-Johann-Hütte.

Hier verbrachte er auch den Montagabend zusammen mit vier Bergführern und deren Gästen. Draußen tobte bereits ein Schneesturm mit Böen bis zu 90 km/h als nach 19 Uhr plötzlich das Heulen des Windes von einem klingelnden Telefon durchbrochen wurde. Der Wirtskollege von der Stüdlhütte schlug Alarm: Zwei Bergsteiger, die um 6 Uhr zum Gipfelsturm aufgebrochen waren, saßen bei diesen eisigen Wetterverhältnissen auf dem Großglockner fest.

13 Stunden für Aufstieg

Der 35-jähriger deutscher Urlauber und seine 26-jährige Begleiterin waren über den Stüdlgrat aufgestiegen. Die Verhältnisse waren schwierig, der Weg vereist und das Wetter schlecht. Trotz guter Ausrüstung und Klettererfahrung hatte das Paar 13 Stunden (!) anstatt der üblichen fünf Stunden auf den Gipfel gebraucht. Dort mussten sie feststellen, dass sie den Abstieg zur Adlersruhe aufgrund des schlechten Wetters, allein nicht mehr schaffen würden. Sie verständigten einen Freund, der die Rettungskette in Gang setzte.

Erzherzog-Johann-Hütte auf dem Großglockner. Archivbild, 2014
Erzherzog-Johann-Hütte auf dem Großglockner. Archivbild, 2014picturedesk.com/EXPA/Michael Gruber

Hätten Nacht nicht überlebt

Kurz nach dem er den Notruf erhalten hatte, machte sich Riepler zusammen mit der Kärntner Bergführerin Elisabeth Fürstaller (41) – beide in Hochwinterausrüstung – von der Adlersruhe auf den Weg. Im Bereich des Eisleitls, auf rund 3.675 Metern Seehöhe konnten sie schließlich die beiden Deutschen entdecken. Sie waren völlig erschöpft und unterkühlt, aber unverletzt.

Mit Seilen verbunden leiteten die Retter die beiden Alpinisten zurück zur Hütte. "Gegen 21 Uhr waren wir wieder in der Hütte, die wir im Sturm gar nicht mehr sehen konnten", erzählt Riepler weiter. Er ist sich sicher, trotz ihrer guten Ausrüstung waren die beiden Urlauber nicht auf diese Verhältnisse vorbereitet und hätten eine Nacht im Freien nicht überlebt. "Im Hochgebirge ist bereits Winter eingezogen. Touren brauchen eine genaue Planung", warnt der Experte.

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