Wien-Lehrerin zu Schulstart: "Müssen Abstriche machen"

Schichtbetrieb in den Schulen wird nach dem Lockdown-Ende wohl kommen. Fix ist das allerdings noch nicht
Schichtbetrieb in den Schulen wird nach dem Lockdown-Ende wohl kommen. Fix ist das allerdings noch nichtGeorges Schneider Xinhua / Eyevine / picturedesk.com
Eine Wiener Lehrerin äußert sich am Montag im Ö1-Morgenjournal zum Schulstart und erklärt, worauf im Unterricht verzichtet werden muss.

In Wien und Niederösterreich öffnen am heutigen Montag wieder die Schulen. An den Volksschulen gibt es nach den Ferien wieder die ganze Woche Präsenzunterricht, am Unterricht in der Klasse dürfen aber nur jene Kinder teilnehmen, die vorab einen freiwilligen Corona-Test gemacht haben, alle anderen bleiben im Distance-Learning. Zudem werden am Montag und Mittwoch Tests an der Schule durchgeführt.

In den höheren Schulstufen gibt es Schichtbetrieb und die Schüler müssen eine FFP2-Maske tragen, auch sie werden einmal in der Woche getestet. Verena Hohengasser, die an einer Neuen Mittelschule in Wien-Simmering unterrichtet, sprach am Montag im Ö1-Morgenjournal über den heutigen Schulstart. "Für den Start ist theoretisch alles klar", sagt Hohengasser. Die eine Gruppe Kinder werde am Montag, die zweite Gruppe am Mittwoch getestet.

"Die Lehrer dürfen sich auch mittesten lassen und können einen PCR-Test in der Woche machen. Ich muss mich in der Früh aber noch genau damit auseinandersetzen und dann kann ich sagen, wie das in der Praxis funktioniert", stellt die Lehrerin klar. Lehrer könnten sich an der Schule testen lassen, wenn "einzelne Kinder fehlen und Testkapazitäten überbleiben", erklärt Hohengasser im Ö1-Morgenjournal.

"Unterricht ist mehr als nur ein Vortrag"

Die Tests seien für die Kinder aber natürlich freiwillig. Sollten Eltern keinen Test bei ihrem Kind machen wollen, bleiben die Kinder zu Hause im Distance-Learning. "Das betrifft im Schnitt ein Kind pro Klasse, was wir mitbekommen haben, wo die Eltern einen Test nicht wollen, dass ihre Kinder getestet werden", sagt Hohengasser. Doch wie sieht eigentlich der Schichtbetrieb an der Schule aus?

"Die Kinder, die erst am Mittwoch in der Schule sind, bekommen für heute und morgen ein Aufgabenpaket über eine Plattform. Das ist logistisch natürlich eine Herausforderung für Lehrer", so die Wiener Lehrerin im Ö1-Morgenjournal. Ohne Input aus der Schule werde man sehen, die dies umgesetzt werden können. "Wir müssen die Schüler einmal wieder aus ihrem Ferien- und Winterschlaf aufwecken und es ist fraglich, wie sich die Schüler beteiligen."

Den Unterricht in der Klasse in das Distance-Learning live zu übertragen, sei derzeit "nicht angedacht". Zudem sei es ein großer Unterschied, ob der Unterricht in der Klasse oder zu Hause stattfindet. "Unterricht ist mehr als nur ein Vortrag. Es fehlt die Diskussion und das gemeinsame Erarbeiten eines Themas", sagt Hohengasser. Das könne man Schülern zu Hause nicht bieten.

"Kein verlorenes Jahr"

Die Wiener Lehrerin stellt im Ö1-Morgenjournal dabei auch klar, dass man im Schichtbetrieb Abstriche beim Stoff machen müsse. "Ja, das ist ganz klar. Es ist viel Zeit verloren gegangen und nicht alles im Stoff ist möglich. Wir müssen eine Auswahl treffen, was wichtig ist und was weniger wichtig. Das wird nicht in allen Fächern möglich sein", erklärt Verena Hohengasser im Gespräch. Man sollte die Stofftiefe auch nicht in die Breite aufgeben und nicht sagen, "wir machen alles ein bisschen".

In welchen Bereichen die Abstriche gemacht werden müsse, sei eine Entscheidung der Lehrer im Team und geschehe in Absprache mit allen Kollegen. Trotz der Tatsache, dass in diesem Schuljahr bisher wenig Unterricht in der Klasse stattgefunden habe, möchte Hohengasser das Schuljahr nicht als "verloren" bezeichnen.

"Die Schüler haben in diesem Jahr viel gelernt, wie etwa sich die Zeit einzuteilen oder auch Selbstständigkeit. Sie haben im Bereich des digitalen Unterricht und im Umgang mit Medien viel dazugelernt. Sie sind gut im Austausch und können klarer ihre Fragen formulieren. Sie wissen auch genau, wie sie sich Informationen beschaffen können. Die Kinder haben in dieser Zeit einen wahren Kraftakt geleistet und der ist nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen."

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