Nur Almodóvar kann Leid in Herrlichkeit verwandeln

Die unglaubliche Leichtigkeit des Pedro Almodóvar macht "Leid und Herrlichkeit" zum Meisterstück.
"Drama oder Komödie?", wird Star-Regisseur Salvador Mallo gefragt. "Keine Ahnung. Das weiß man erst ...", erwidert Mallo. Regisseur Pedro Almodóvars Film Alter Ego sagt das nicht nur in seinem neuesten Film, man kann so auch die Handlung zusammenfassen.

In "Leid und Herrlichkeit" zeigt uns Pedro Almodóvar sein Leben. Die Handlung ist autobiografisch. Vielleicht. Wahrscheinlich. Wer kann das schon so genau wissen? Fiktion und Traum kommen der Realität ein bisschen dazwischen. Aber tun sie das wirklich? Manchmal sagen Geschichten mehr als Fakten.

Almodóvar bringt die "Band" wieder zusammen

Sein eigenes Leben legt Almodóvar in vertraute Hände. Penelope Cruz, die langjährige Muse des Regisseurs darf die Mutter des Film-Regisseurs in jungen Jahren spielen. Auch Antonio Banderas, der unter Almodóvars Ägide zum Star wurde, hält ihm die Treue. Er darf die Film-Version seines langjährigen Mentors, den erfolgreichen spanischen Regisseur Salvador Mallo spielen.

CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Banderas' Blick sagt mehr als tausend Worte

Mallo ist depressiv, allein, hilflos, faul, stur, charmant, interessant und hat dieses spitzbübische Glitzern in den Augen, dem man das Talent ankennt. Banderas kann all das – in einem Blick – verkörpern.

Trailer

Leid und Herrlichkeit
Leid und Herrlichkeit


Wenn dich das Alter einholt ...

Der alternde Mallo sitzt in seiner abgedunkelten Wohnung, umgeben von unbezahlbarer Kunst. Er hat Schmerzen. Vom Ischias bis zum Tinitus quält ihn alles. Dazu kommen Migräne, Schlaflosigkeit und Depressionen. Den Tod der Mutter vor vier Jahren hat er noch nicht überwunden. Er, das Ausnahmetalent, schreibt nur noch, "um den Inhalt zu vergessen". Seine Schmerzen betäubt er mit Tabletten. Vielen. Bunt gemischt.

... probier's mal mit Heroin

Nach 32 Jahren sucht er den Kontakt zu einem Ex-Kollegen (Asier Etxeandia), weil ihr damaliger Filmhit neu remastert wieder in die Kinos kommt. Aus Interesse lässt er sich vom langjährig Heroinabhängigen zeigen, wie man die Droge raucht. Weil man nie zu alt ist, Neues auszuprobieren und lebensbejahende Sachen nicht so Mallos Ding sind.

Wenn man die Gegenwart verweigert ...

Der Regisseur verbringt seinen Tag meist dösend und träumend, Heroin und Tabletten helfen dabei. Weil er sonst kaum etwas tut, bleibt viel Zeit, sich an die Vergangenheit zu erinnern. An die Kindheit in einem bitterarmen Dorf, an seine Mutter und den ersten Mann, der in dem jungen Buben, ohne es zu wissen, das Begehren weckte.

... trickst dich das Leben aus

Obwohl Mallo kaum etwas tut, findet das Leben Wege, ihn mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren. Mit Meilensteinen, die sein Leben prägten und seine Persönlichkeit formten. Die ihn an den Punkt gebracht haben, an dem er heute ist.



Almodóvar macht schwere Kost zum Stimmungsaufheller

Wer jetzt annimmt, dass "Leid und Herrlichkeit" schwere Kost ist, deprimierend und demotivierend, unterschätzt Pedro Almodóvar. Der Regie-Künstler verleiht seiner filmischen Autobiografie eine unglaubliche, bezaubernde Leichtigkeit. Bei Almodóvar wird eine Operation ein Hoffnungsschimmer. Dabei könnte sie tödlich ausgehen. Doch das ist nicht tragisch, sondern eben das Leben. Und das Leben ist leicht, auch wenn Mallo selbst es lang nicht bemerkt.

Perfekter Stoff für Fans und Einsteiger

2019 wird Pedro Almodóvar 70. Er hat viel, worauf er zurückblicken kann und viele Erwartungen, die seine Fans an ihn stellen. Ihnen zeigt der Regisseur eine neue, noch nicht dagewesene Facette von ihm. Oder eigentlich viele, denn der Film springt von einer Erzählebene zur anderen, ohne auch nur eine Sekunde verwirrend zu sein. "Leid und Herrlichkeit" ist trotzdem auch eine perfekte Wahl für Amodovar-Einsteiger. Irgendwo in der Geschichte, die sechs Jahrzehnte umspannt, findet sich jeder wieder.

Und alles ist ganz einfach, gerade weil es komplex ist.

"Leid und Herrlichkeit" läuft ab 26.7. in Österreichs Kinos

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SzeneKinoAntonio Banderas

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