Leistungsdruck führt nicht zu Depression

Leistungsdruck im Job führt zu Depression - ein weit verbreiteter Irrtum, wie ein deutscher Experte sagt. Die anhaltende Traurigkeit könnten auch längere Pausen nicht lindern.



"Depressionen haben meist nichts mit Leistungsdruck zu tun, denn die Krankheit kann jeden von uns treffen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, vor dem 1. Patientenkongress Depression am Sonntag in Leipzig.

Urlaub nützt nichts
"Das Gefühl des Überfordertseins und der Überlastung begleitet jede Depression", sagte Hegerl. Dass es nur die trifft, die täglichen Stress erleben, sei ein Trugschluss. Einer sich anbahnenden Depression mit einer Auszeit wie einem längeren Urlaub vorzubeugen, sei zwecklos. "Denn die Depression reist mit", erklärte der Experte.

450.000 Menschen in Österreich betroffen
Anhaltende Traurigkeit, Antriebsschwäche, Schuldgefühle und Schlafstörungen: Symptome der klassischen Depression erleben immer mehr Menschen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Österreich bis zu 450.000 Menschen betroffen sind. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen Depressionen bis zum Jahr 2020 nach Herz-Kreislauferkrankungen an zweiter Stelle der häufigsten Erkrankung stehen.

"Die klassische Depression verläuft in Phasen, sie schleicht sich ein und klingt oft erst nach mehreren Monaten wieder ab", erklärte Hegerl. "Wenn mehrere dieser Krankheitszeichen aber 14 Tage anhalten, spricht man von einer behandlungsbedürftigen Depression."

Heute nicht mehr Erkrankte als früher
Die Behandlung erfolge mit Antidepressiva und Psychotherapie, wobei vor allem die täglichen Verhaltensroutinen im Mittelpunkt stünden. "In einer kognitiven Verhaltenstherapie wird mit den Betroffenen besprochen, wie ein ausgeglichener Tagesablauf aussieht und wie man auch mal Nein sagen kann", sagte Hegerl, der die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Leipzig leitet. "Viele Betroffene opfern sich auf und sind immer nur für andere da."

Es gebe aber nicht mehr depressiv Erkrankte als früher, sagte Hegerl und widersprach damit Warnungen der Kassen, wonach die Fallzahlen nach oben schnellten. "Es suchen mehr professionelle Hilfe und die Erkrankung wird häufiger erkannt."

APA/red.

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