Im romantischen Weihnachtsdorf am Wiener Spittelberg war am Sonntag alles voll. Viele Wiener und Gäste aus anderen Bundesländern wollten noch einmal einen Punsch vor dem Lockdown zwischen den Standln genießen. Auch die Weihnachtsmärkte müssen heute zusperren, dürfen nicht, wie Naschmarkt oder Brunnenmarkt, offenhalten. "Hier gilt die Gastro-Richtlinie", heißt es dazu aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SP).
Den Lockdown halten viele Weihnachtsmarkt-Besucher für notwendig. "Sonst kommen wir nicht raus aus der Schleife“, meint Jasmin (33) am Spittelberg. "Die eigene Wut tritt in den Hintergrund, jetzt geht es um das Gemeinwohl", meint auch Rosa (32). "Die Corona-Leugner checken nicht, dass wir das für sie machen!"
"Wir haben erst seit 12. November offen und müssen schon wieder zusperren", erzählen Julia (23) und Nina (23). Die beiden Studentinnen verdienen sich bei einem Punschstand am Spittelberg etwas dazu. "Es ist ein guter Nebenjob und macht Spaß", erzählt Julia. "Wir sind angewiesen auf das Geld, eine Woche reicht da nicht aus. Wir wollen unbedingt am 13. Dezember wieder aufmachen. Wir werden die Zeit jetzt einmal zum Lernen nutzen."
"Wir sind heute aus dem Waldviertel auf einen Punsch zum Weihnachtsmarkt nach Wien gefahren", erzählen Stefan (28) und Verena (27) am Spittelberg. Heimfahren mussten sie nicht mehr. "Ich habe auch in Wien eine Wohnung." Den Lockdown hält Stefan für notwendig. "Viele haben das bis jetzt nicht gecheckt."
Am Rathausplatz drängten sich am Sonntag die Massen zwischen den Weihnachtsstandln. Auch hier standen die Befragten dem Lockdown positiv gegenüber. "Ich trinke heute den ersten und den letzten Punsch", berichtet Florian (26) am Rathausplatz. "Ich finde den Lockdown gut, sonst wäre es zu spät."
"Irgendwann muss man die Reißleine ziehen", meinen auch Andreas (24) und Andrea (20) aus Südtirol bei einem letzten Häferl am Christkindlmarkt vor dem Wiener Rathaus. Wenn die Infektionszahlen stimmen, darf nach der Pause am 13. Dezember wieder geöffnet werden. Für viele Standler ist die Corona-Sperre aber schon jetzt eine Katastrophe.