Wenn sich Massen an Menschen durch Wien drängen, ist entweder der Lockdown vorbei oder es wird wieder einmal gegen die Maßnahmen der Bundesregierung demonstriert. Am Sonntag war dem nicht der Fall. Auch wenn der Gastro-Lockdown heute auch in der Bundeshauptstadt endete, zogen gestern bis zu 30.000 Menschen durch die Straßen, um den Corona-Toten des Landes zu gedenken und dem Gesundheitspersonal zu danken.
Gegrölt, gepöbelt und geschrien wurde dabei nicht. Unter dem Motto "Yes we care" hatten der Innsbrucker Roman Scamoni und der Lehrer Daniel Landau aus Wien dazu aufgerufen, ein "Zeichen des Miteinanders" zu setzen. Von der Polizei heißt es, dass es zu keinen Zwischenfällen gekommen sei – die Demonstration verlief friedlich.
Die Polizei veröffentlichte zudem am Montag ein Foto von der Demo, aufgenommen von der Flugpolizei. Dabei ist das Lichtermeer aus der Vogelperspektive zu sehen, wie es sich durch die Straßen Wiens bewegt. Ein weiteres Foto zeigt die hellerleuchtete Hauptstadt in Farbe (Titelbild).
Die Demonstration verstand sich auch als Gegenbewegung zu den Aufmärschen der letzten Wochen, bei denen lautstark eine "Diktatur" in Österreich beschworen wurde und Journalisten sowie Pflegepersonal teilweise attackiert wurden. Zwar sei es laut Organisator Landau legitim Kritik an der Regierung zu äußern, Gewalt sei jedoch nicht tolerierbar.
Seit Pandemiebeginn sind in Österreich bereits mehr als 13.000 Menschen am Coronavirus verstorben. Insgesamt 1,25 Millionen waren während der letzten 20 Monate positiv auf das Virus getestet worden.