Es war ein Indizienprozess mit überraschendem Ende. Laut Staatsanwalt war Sun W. vor rund 18 Jahren an einem der grausamsten Morde der letzten Jahrzehnte beteiligt:
Zuerst wurde damals ein 25-jähriges Mitglied einer Schlepperbande von chinesichen Mafiosi mit einem Hackbeil erschlagen, dann dessen 19-jährige Freundin.
Schreie gehört
Sun W. soll damals auf der Rückbank eines Autos geholfen haben, die Frau zu fesseln, bevor drei andere Männer sie aus dem Wagen zerrten und in einem Gebüsch ermordeten. Vor den Geschworenen sagte der heute 36-jährige Familienvater aus, zwar dabei gewesen zu sein: "Ich hörte sie 'Nein' schreien", mit dem Mord will er allerdings nichts zu tun haben.
"Schreckliche Situation"
Verteidiger Nikolaus Rast zeichnete das Bild eines hilflosen jungen Mannes: "Er war damals ein 18-jähriger, unerfahrener Bub. Er ist an die falschen Leute und dann in eine schreckliche Situation geraten." Sun W. beteuerte vor Gericht, er sei damals unter Androhung von Gewalt zur Mithilfe gezwungen worden. Die Geschworenen glaubten ihm: Sun W. wurde freigesprochen.
Frei ist der 36-Jährige deswegen allerdings nicht, denn die Richter hoben das Urteil umgehend auf. Für Anwalt Rast ist diese Entscheidung nicht tragbar: "Entweder wir akzeptieren die Urteile der Geschworenen, oder wir schaffen ganz sie ab." (shoe)