Johannes Kronegger bringt die Menschen dazu, sich hinzulegen – und das freiwillig. Rund 90 Minuten dauert so ein "Liegekonzert", manchmal ein bisserl länger, manchmal kürzer. Die Leute lassen sich dabei von den ungewöhnlichen Instrumenten beeindrucken, die Kronegger mitbringt – so viele, dass man locker eine halbe Musikkapelle damit ausstatten könnte. Aber eigentlich liegen sie, weil es dazugehört. Bei diesen Konzerten ist das Pflicht.
Ein Abend mit Johannes Kronegger läuft ohne strenge Regeln ab. Der 36-Jährige, der 13 Jahre in Scharnstein gelebt hat und jetzt in Gmunden wohnt, weiß nie genau, wie das Konzert ablaufen wird. Er entscheidet spontan, mit welchem Instrument er anfängt und mit welchem er aufhört. Was dazwischen passiert, bleibt eine Überraschung – auch für das Publikum.
Karten für Steh- oder Sitzplätze brauchst du keine, du musst auch nicht fürchten, nach eineinhalb Stunden mit schweren Wadln heimzugehen. Und eine Bierdusche gibt's auch keine. "Ich sage immer: Nehmt alles mit, was ihr braucht, um 90 Minuten lang eine gute Zeit zu haben", erklärt Kronegger. Am besten bringst du eine Matte mit, die nicht knarzt, vielleicht eine Decke oder einen Polster. Alles andere ist Improvisation, begleitet von rund 25 Instrumenten, die man sonst selten sieht.
"Das gewöhnlichste Instrument ist wohl eine Klarinette", sagt Kronegger und verweist damit auf die exotische Instrumentenwahl. Teil des Konzerts sind zum Beispiel eine Hulusi, eine chinesische Mundorgel, oder eine Kora, eine westafrikanische Stegharfe. Besonders gerne spielt er auf der Hang – einem Instrument, das mehr Klangskulptur als Musikgerät ist.
Mittlerweile ist Kronegger in ganz Österreich und Deutschland mit seiner Idee der Liegekonzerte unterwegs: "Wir leben ohnehin zu schnell", meint er. Der ehemalige Musikschüler und diplomierte Krankenpfleger arbeitete unter anderem als selbstständiger Klangtherapeut. Die Klangmeditationen, die er früher angeboten hat, liefen nicht immer so ab, wie er wollte. "Mir ist es schnell auf die Nerven gegangen, wenn die Leute dabei gesprochen haben", sagt er.
Also hat Kronegger das Konzept geändert: Alle legen sich hin, er spielt. Kein Gesang, nur Töne. Beim ersten Konzert in Pettenbach waren 15 Leute dabei, schnell wurden es mehr. "Vor allem nach Ende der Corona-Pandemie habe ich bemerkt, dass die Menschen hungrig nach Rausgehen und Gemeinschaft waren. Aber eben nicht auf Großveranstaltungen", sagt er. Ihm war wichtig, "die Sinne abzuschalten. So, dass wirklich nur noch der Klang übrigbleibt."
Wer glaubt, dass bei den Liegekonzerten irgendwas Anrüchiges passiert, liegt daneben: "Das werde ich wirklich hin und wieder gefragt. Aber es geht ausschließlich um Musik", stellt Kronegger klar. Und wenn wer einschläft, ist das kein Problem: "Das Schnarchen werte ich dann als Zwischenapplaus", sagt er.
Der Oberösterreicher ist nicht allein unterwegs – auch der Ternberger Joachim Grübler und Monika Wolfthaler aus Laussa (vielen als "Nika" aus der ORF-Show "Die große Chance" bekannt) sind dabei. Das Konzert am Valentinstag in Pinsdorf war übrigens restlos ausverkauft. Im Salzkammergut gibt's noch eine Chance: Am 30. April spielt Kronegger in Faistenau. Und ja, auch da darf man ruhig einschlafen.