In einem weitgehend unerforschtem Urwaldgebiet im Süden der Halbinsel Yucatán haben Forschende jetzt ein Sensation entdeckt: Das Team um den slowenischen Experten Ivan Ṡprajc stieß auf eine Maya-Siedlung mit vielen Pyramiden und zylindrischen Säulen. Der Rund 50 Hektar große und lange verborgene Ort wurde Ocomtún, "Steinsäule", getauft.
Die gut verborgene Stätte wurde durch ein Kartierungsprojekt entdeckt. Dafür wurden in den letzten Monaten 3D-Laserscans aus der Luft gemacht. Auf die Entdeckung folgte eine Erkundungstour im Ökoreservat von Balamkú im Bundesstaat Campeche. In der Nähe befindet sich auch die große Maya-Stätte Calakmul.
Seinen Namen verdankt Ocomtún dem Markantesten, was das Team um Ṡprajc bei einer Ortsbegehung vorfand: Steinsäulen. Nachdem sie 60 Kilometer dicht bewachsene Wege hinter sich gelassen hatten, stiessen die Forschenden auf einen Ortskern mit grossen Gebäuden, mehreren 15 Meter hohen Pyramiden und – zylindrischen Steinsäulen. Sie dürften nach Meinung der Forschenden Teil der Eingänge zu den oberen Räumen der Gebäude gewesen sein.
Außerdem entdeckte das Team eine rechteckige Akropolis mit einer Seitenlänge von 80 Metern und einer Höhe von etwa zehn Metern. In ihrem nördlichen Teil befindet sich eine Pyramide, die sich 25 Meter über das natürliche Gelände erhebt. Zudem erkannten die Forschenden eine Art Sportplatz. Wahrscheinlich für "Juego de Pelota", ein traditionelles Ballspiel der Maya. Die dort am häufigsten gefundenen Keramiktypen stammen demnach aus den Jahren 600 bis 800 nach Christus. Die Fundstücke werden noch untersucht. Die Entdeckung von Ocomtún ist eine weitere, die Geheimnisse der alten Maya preisgeben könnte.
"Die größte Überraschung war die Lage des Standorts auf einer hochgelegenen Halbinsel, umgeben von ausgedehnten Feuchtgebieten", heißt es in einer Mitteilung des Instituts. Man gehe davon aus, dass der Ort vor mindestens 1200 Jahren ein bedeutendes regionales Zentrum war und aufgrund seiner entlegenen Lage nach dem Kollaps der Maya-Kultur in Vergessenheit geriet.