Der Bachmannpreis ist eine der höchstdotierten deutschsprachigen Literaturauszeichnungen. Deutschsprachige Nachwuchsschriftsteller lesen in einem mehrtägigen Wettbewerb ihre neuesten Texte vor. Das Festival ist der großen Autorin Ingeborg Bachmann (1926-1973) gewidmet.
Der König des Hirschragouts
Und genau da hat sich der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz beim Wettlesen in Klagenfurt gegen 13 Konkurrenten durchgesetzt. Mit seiner eisig-lustigen Geschichte „mein lieblingstier heißt winter" war er in diesem Jahr der literarische König des poppigen Literatur-Festes am Wörthersee.
Drei Jahre Überlegungszeit
Der Text brachte Jury und Publikum zum Lachen, so waren sich die Juroren auch schnell einig, dass Schmalz den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis verdient. Dabei dauerte es beinahe drei Jahre, bis sich der steirische Dramatiker Ferdinand Schmalz, der eigentlich Matthias Schweiger heißt, überzeugen ließ, beim renommierten Bachmannpreis mitzuwirken.
Vorliebe für gefrorenes Rehragout
In „mein lieblingstier heißt winter" beliefert ein Tiefkühl-Lieferant einen krebskranken Mann mit Vorliebe für Kühlkost-Rehragout. Dieser kündigt dem verdutzten Angestellten ohne jegliche Verzweiflung an, dass er sich umbringen werde. Er habe vor, eine Überdosis Schlaftabletten zu nehmen und dann in die Gefriertruhe zu steigen. Einen schöneren Tod könne er sich beileibe nicht vorstellen. Und: Der Lieferant möge doch bitte später seinen gefrorenen Leichnam in der Morgensonne wieder auftauen lassen. Als der Tiefkühlkost-Lieferant schlussendlich dem ungewöhnlichen Auftrag seines Kunden nachkommen will, ist die Truhe jedoch leer und von der "Leiche" keine Spur.
Schmalz, Dosenfleisch und Herzerlfresser
Ferdinand Schmalz ist längst als aufstrebender Theaterautor bekannt. Aktuell arbeitet der Steirer, der im "theaterfreien Ennstal" aufwuchs, an einer "Jedermann"-Neudichtung für
das Wiener Burgtheater. Für seine Theaterarbeit wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet. Das Stück "am beispiel der butter" gewann den Retzhofer Dramapreis. 2014 wurde Schmalz von der Zeitschrift "Theater heute" zum Nachwuchsautor des Jahres gewählt. Das Stück "dosenfleisch" wurde im Jahr darauf zur Eröffnung der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin in einer Inszenierung des Wiener Burgtheaters uraufgeführt. " Sein "Herzerlfresser" im vergangenen Jahr im Akademietheater erinnerte mit einem imposant und dennoch einfach gehaltenen Bühnenbild an einen bühnenhaften "David Lynch".
Hochvirtuoser Eis-Trash
„mein lieblingstier heißt winter" ist somit eine durchaus sprachlich hochwertige und unheimlich komische Eismann-Story. Kein Wunder also, dass der Theatermann am Ende damit den Bachmannpreis bekam.
Insgesamt wurden fünf Preise verliehen: Neben dem Hauptpreis ging der neu gestiftete Preis des Deutschlandfunks über 12.500 Euro an den Austro-Amerikaner John Wray, den Kelagpreis (10.000 Euro) ging an Eckhart Nickel und den 3sat-Preis (7500 Euro) gewann Gianna Molinari. Das Publikum hat via Internet für Karin Perschka gestimmt.
Bachmannpreis 2017