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Literaturnobelpreis geht an Patrick Modiano

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:57

Der Franzose Patrick Modiano (69) erhält den Literaturnobelpreis 2014. Die Entscheidung der Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm überraschte am Donnerstag Insider.

Österreich kam den Schweden zuvor: Schon  2012 gewann Modiano den Österreichischen Staatspreis  für Europäische Literatur.

"Für die Kunst der Erinnerung"

Modiano erhält die Auszeichnung "für die Kunst der Erinnerung, mit der er die unfassbarsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt der Besatzungszeit vor Augen geführt hat", wie es in der Begründung der Schwedischen Akademie heißt. Er ist der vierzehnte auf Französisch schreibende Literaturnobelpreisträger.

Die mit acht Millionen Kronen (876.000 Euro) dotierte Auszeichnung ging im Vorjahr an die Kanadierin . Offiziell überreicht werden die Nobelpreise in Stockholm am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

Der Literaturnobelpreis ist der fünfte im Nobelpreisreigen. In der gleichen Woche verliehen wurden die Nobelpreise für ging.

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"AUS TIEFSTEM VERGESSEN" (2000) ist eine Liebesgeschichte aus dem Paris und London der 1960er-Jahre. Ein Mann sieht in der Metro eine Frau, die vor dreißig Jahren seine Jugendliebe war und folgt ihr. Kritiker lobten die "klare, karge Sprache" Modianos, mit der er eine ganze Epoche zum Leben erwecke. ("Aus tiefstem Vergessen", Übersetzt von Elisabeth Edl, Hanser, 160 S., 15,40 Euro, ISBN 978-3-446-19848-7)
 "UNFALL IN DER NACHT" (2006) erzählt von einem junger Mann, der in der Nacht von einem Auto gestreift wird. Er wird zusammen mit der Fahrerin leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht, doch die Fahrerin flieht. Der junge Mann macht sich auf die Suche. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb damals, wie immer bei Modiano versuche der Ich-Erzähler ein weit zurück liegendes Ereignis zu verstehen, und wie immer bleibe alles rätselhaft, die Vorgänge und auch die Suche selbst. ("Unfall in der Nacht", Übersetzt von Elisabeth Edl, Hanser, 144 S., ISBN 978-3-446-20716-5)
In seinem Werk "PLACE DE L'ETOILE" (2010) erzählt Modiano von der fingierten Autobiografie des jungen Raphael Schlemilovitch in Paris zur Zeit des Nationalsozialismus. Er ist mal "Kollaborationsjude", mal Liebhaber von Eva Braun, emigriert mit falschen Papieren und liegt bei Doktor Freud auf der Couch. Kritiker lobten Modianos Werk als "überwältigend" und "Geniestreich". Sein Debütroman erschien bereits 1968, wurde aber erst Jahrzehnte später ins Deutsche übersetzt. ("Place d' Etoile", Übersetzt von Elisabeth Edl, Hanser, 192., 18,40 Euro, ISBN 978-3-446-23399-7)
In Modianos Roman "DER HORIZONT" (2013) erinnert sich die Hauptfigur Jean Bosmans an seine kurze Romanze mit Margaret, die Jahrzehnte zurückliegt. Bosmans streift durch Paris und versucht, sein Leben an der Seite der rätselhaften Margaret zu rekonstruieren. Die Suche nach der Vergangenheit wird zur Suche nach dem Glück. Modiano zeigt in dem Roman, dass er ein Meister darin ist, mehr zu sagen als er schreibt und durch Andeutungen und Annäherungen den Kern der Realität zu treffen. ("Der Horizont", Übersetzt von Elisabeth Edl, Hanser, 176 S., 18,40 Euro, ISBN 978-3-446-23951-7)


Geboren wurde Modiano am 30. Juli 1945 als Sohn eines jüdischen Geschäftsmanns und einer flämischen Schauspielerin in Boulogne-Billancourt, einem Vorort von Paris. Die Eltern hatten sich während der deutschen Besatzungszeit kennengelernt. Modiano wuchs zunächst bei den Großeltern auf und verbrachte dann seine Jugend im Internat. Der Tod seines zehnjährigen Bruders war ein Schock für ihn. Modianos Arbeiten von 1967 bis 1982 sind ihm gewidmet.

Beim Studium am Lycée Henri-IV in Paris sollte Modiano von seinem Geometrielehrer Raymond Queneau, einem Schriftsteller, maßgeblich beeinflusst werden. 1968 veröffentlichte er sein Erstlingswerk "La Place de l'etoile" über das von den Deutschen besetzte Paris aus 1968. Im deutschsprachigen Raum sollte der Debütroman erst 42 Jahre später in einer Übersetzung von Elisabeth Edl veröffentlicht werden. In den 80er-Jahren war es Peter Handke gewesen, der Patrick Modiano endgültig für das deutschsprachige Publikum entdeckte und 1985 seinen Roman "Eine Jugend" ins Deutsche übertrug, woraufhin nach und nach fast alle seiner Bücher auf Deutsch erschienen.

Krieg, Liebe, Besatzung - das sind die Themen, aus denen Modiano seine Inspirationen schöpft. Egal ob in seinem jüngsten Buch "Der Horizont", in "Unfall in der Nacht" oder "Aus tiefstem Vergessen", der Franzose beschreibt in seinen Werken Erinnerungen an seine unglückliche Kindheit im Paris der Nachkriegszeit. Den mit acht Millionen Kronen (876.000 Euro) dotierte Literaturnobelpreis erhält Modiano als vierzehnter auf Französisch schreibender Preisträger nun "für die Kunst der Erinnerung, mit der er die unfassbarsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt der Besatzungszeit vor Augen geführt hat", wie es in der Begründung der Schwedischen Akademie heißt.

"Ich versuche bei den Menschen und den Dingen die Schicht des Vergessens zu durchstoßen", sagte der medienscheue Autor in einem seiner wenigen Interviews vor etwas mehr als einem Jahr. Für seine Geschichten, die sich zumeist auf reale Geschehnisse beziehen, schöpft er oftmals aus Interviews, Zeitungsartikeln oder seinen eigenen über Jahre gesammelten Notizen. Seine Romane nehmen dabei Bezug aufeinander: So greift Modiano frühe Geschichten später wieder auf, lässt Figuren wiederkehren. Modianos Heimatort und dessen Geschichte fungiert dabei immer wieder als Bindeglied zwischen den Erzählungen.

In seiner Heimat Frankreich wurde Modiano mit nahezu jedem nennenswerten Preis geehrt: So erhielt er 1968 den Prix Roger Nimier, 1972 den Grand Prix du Roman de l'Academie francaise oder 1978 den Prix Goncourt für "Die Gassen der dunklen Läden". Überdies ist Patrick Modiano auch Chevalier des Arts et des Lettres.

 

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