EM-Aus! Italien bricht uns in Verlängerung das Herz

Federico Chiesa schießt Italien zum Sieg, Österreich ins Tal der Tränen.
Federico Chiesa schießt Italien zum Sieg, Österreich ins Tal der Tränen.Gepa
Österreichs EURO-Märchen ist vorbei! Das ÖFB-Team bringt Italien an den Rand der Niederlage. In der Verlängerung platzt der Traum vom Viertelfinale.

1:2! Italien warf Österreich am Samstagabend im Achtelfinale der Europameisterschaft aus dem Turnier. Das ÖFB-Team brachte den großen Favoriten im Londoner Wembley Stadion ins Wanken, zwang den Nachbarn in die Verlängerung. Dort ging der Auswahl von Teamchef Franco Foda nach einer aufopfernden Leistung die Kraft aus.

Italien setzte sich in der Verlängerung durch zwei Joker-Tore durch. Die Kaderdichte der Squadra Azzurra machte den Unterschied. Federico Chiesa (95.) und Matteo Pessina (105.) trafen für Italien. Sasa Kalajdzic ließ Österreich kurz nach seiner Einwechslung mit dem 1:2 noch einmal hoffen (114.).

Bitter: Marko Arnautovic schoss das ÖFB-Team in der 65. Minute vermeintlich in Führung. Sie wäre zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen. Österreich war in der zweiten Hälfte drückend überlegen. Der Videoschiedsrichter erkannte die hauchdünne Abseitsstellung von Arnautovic zum Zeitpunkt des Alaba-Zuspiels.

Spiel auf Augenhöhe

Foda schickte dieselbe Startelf wie beim 1:0-Sieg gegen die Ukraine im dritten Gruppenspiel auf das Feld (siehe weiter unten). Sie bereitete Italien von Beginn an große Schwierigkeiten. Österreich attackierte phasenweise hoch und aggressiv, zog sich nur Mitte der ersten Halbzeit für einige Minuten tief in die eigene Hälfte zurück. 

Goalie Daniel Bachmann hielt für das ÖFB-Team in dieser Phase mit sicheren Paraden gegen Lorenzo Insigne, Leonardo Spinazzola und Nicolo Barella das 0:0 fest. Nach etwas mehr als einer halben Stunde rettete Aluminium: Ciro Immobile setzte einen Weitschuss an die Kreuzlatte.

In der zweiten Halbzeit übernahm Österreich aber das Kommando. Marko Arnautovic und Co. belagerten den Turnier-Mitfavoriten förmlich. In der 52. Minute setzte David Alaba einen Freistoß von der Strafraumgrenze knapp über das Tor von Gianluigi Donnarumma. Marcel Sabitzers Weitschuss wurde zehn Minuten später von einem Italiener gefährlich abgefälscht, sprang an der falschen Seite der Torstange vorbei.

Dann zappelte der Ball im Netz. Arnautovic köpfte nach Alaba-Pass den Ball ins Tor. Die ÖFB-Stars lagen sich jubelnd in den Armen. Die Führung war in der Luft gelegen. Schiedsrichter Anthony Taylor verkündete nach minutenlangem Videostudium: Arnautovic war aus dem Abseits gestartet. Wenige Zentimeter hatten das 1:0 verhindert.

In der Schlussphase ging es auf und ab. Österreich blieb gegen den klaren Favoriten mindestens ebenbürtig.

Italien bricht uns das Herz

Aber: Während Foda mit Alessandro Schöpf seine erste Einwechslung erst unmittelbar vor der Verlängerung vornahm, hatte Italien schon vier neue Kräfte auf dem Feld. Zwei von ihnen, Chiesa und Pessina, sollten für die Entscheidung sorgen.

Chiesa brach Österreich mit seinem Traumtor in der fünften Minute der Verlängerung das Herz. Er nahm sich den Ball nach einer Spinazzola-Flanke im Strafraum ideal mit, ließ Konrad Laimer aussteigen. David Alaba wollte noch retten, konnte das Spielgerät aber nur mehr mit den Zehenspitzen ins Tor ablenken.

Zehn Minuten später kombinierte sich Italien in den Strafraum, wo Pessina nach Acerbi-Zuspiel zum 2:0 und Österreich damit mitten ins Herz traf (105.).

Das ÖFB-Team blies zur Schlussoffensive. Donnarumma hielt gegen den eingewechselten Louis Schaub aus kurzer Distanz mit einer sensationellen Parade. Sasa Kalajdzic traf bei der darauffolgenden Ecke, von Schaub getreten, mit einem sehenswerten Flugkopfball zum 1:2 (114.).

Es sollte beim Anschlusstreffer bleiben. Das Nationalteam belohnte sich für eine starke, kampfbetonte Leistung nicht selbst.

Österreichs Aufstellung: Bachmann - Lainer, Dragovic, Hinteregger, Alaba - Grillitsch, Schlager, Laimer - Baumgartner, Sabitzer - Arnautovic.

Italiens Aufstellung: Donnarumma - Di Lorenzo, Bonucci, Acerbi, Spinazzola - Barella, Jorginho, Verrati - Berardi, Immobile, Insigne.

Österreich schrieb Geschichte

Das Sommermärchen ist also vorbei. Alaba und Co. haben bei dieser EURO dennoch gleich mehrfach Geschichte geschrieben. Schon das Auftaktmatch war historisch. Österreich besiegte Nordmazedonien in Bukarest mit 3:1 und feierte damit seinen ersten Sieg bei einer EM-Endrunde.

Am zweiten Spieltag waren die Niederlande, der spätere Gruppensieger, in Amsterdam eine Nummer zu groß. Die Oranje siegten leistungsgerecht mit 2:0.

Davon ließ sich das ÖFB-Team nicht beirren, spielte im letzten Gruppenspiel gegen die Ukraine groß auf. Der 1:0-Erfolg hätte höher ausfallen müssen. Mit sechs Punkten zog Österreich zum ersten Mal in der Geschichte ins Achtelfinale der Europameisterschaft ein.

Kalajdzic beendete mit seinem Treffer gegen Donnarumma übrigens die Fabelserie der Italiener. In der 89. Minute übertrafen sie den eigenen Landesrekord von 1144 Länderspielminuten ohne Gegentor, ließen bis zum Kopfball des Stuttgart-Legionärs 15 weitere folgen.

Von der EURO wird neben den starken Leistungen, den historischen Ergebnissen auch der Vorfall um Marko Arnautovic in Erinnerung bleiben. Er hatte beim Torjubel gegen Nordmazedonien Gegenspieler Alioski wüst beschimpft, wofür ihn die UEFA gegen die Niederlande für ein Spiel sperrte.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account sek Time| Akt:

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen