Zittersieg! Red Bull Salzburg feiert am Sonntag im ersten Spiel der Meisterrunde einen 1:0-Heimsieg gegen Sturm Graz. Der souveräne Tabellenführer wackelt lange, lässt dann Chancen auf die Vorentscheidung liegen, profitiert mehrfach durch das Eingreifen des Videoschiedsrichters.
Maxi Wöber ist mit seinem Tor in der 55. Minute der Matchwinner. Ausgerechnet jener Mann, der mit seinen Fehlern unter der Woche die 1:7-Pleite beim FC Bayern im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League einleitete.
Die Bullen sind seit 26 Pflichtspielen daheim ungeschlagen, eilen in Richtung Meistertitel. Der Vorsprung in der Bundesliga beträgt auch nach der Punkteteilung bereits elf Punkte – und zwar auf die Wiener Austria, die durch die Sturm-Niederlage und den eigenen Sieg gegen Wolfsberg (1:0) auf Platz zwei vorstößt.
VAR macht Sturm strich durch Rechnung
Sturm ist zu Beginn spielbestimmend, fährt nach Ballgewinnen im Mittelfeld schnelle Angriffe und bringt die verunsichert wirkende Abwehr der Hausherren dabei mehrfach in Bedrängnis. Salzburg scheint das Debakel gegen die Bayern noch in den Knochen zu stecken.
Der Titelverteidiger rettet sich ohne Gegentor über diese Schwächephase. Auf der Gegenseite trennen die Hausherren dann nur Zentimeter von der eigenen Führung. Karim Adeyemi versenkt den Ball im Tor. Der Video-Assistent bestätigt die vom Linienrichter erkannte, knappe Abseitsstellung.
Nach dem Seitenwechsel schlägt Wöber zu. Nach einem Eckball köpft zunächst Nicolas Capaldo an die Latte. Von der Linie springt der Ball zurück ins Spielfeld. Wöber reagiert am schnellsten, nickt das Spielgerät über die Linie.
In weiterer Folge profitiert Salzburg doppelt vom Eingreifen des Videoschiedsrichters. Dieter Muckenhammer zeigt in der 55. und 90. Minute auf den Punkt. Beide vermeintlichen Hands-Elfmeter für Sturm werden von Video-Assistent Harald Lechner beanstandet. Beide Male sieht sich Muckenhammer die Szene auf einem Bildschirm selbst in verschiedenen Winkeln an, nimmt seine ursprünglichen Entscheidungen zurück. Das ist durch das Regelwerk gedeckt: Sowohl Nicolas Seiwald als auch Andreas Ulmer springt der Ball von einem anderen Körperteil an die Hand. Damit ist das Handspiel jeweils nicht als strafbar zu werten.
Salzburg lässt in der Schlussphase beste Möglichkeiten auf einen zweiten Treffer liegen. Benjamin Sesko trifft nur die Latte. Mehrfach spielen die Bullen Überzahlsituationen unsauber aus.
Matthias Jaissle (Trainer FC Red Bull Salzburg):
…über das Spiel: „Wir waren in der ersten Halbzeit nicht sauber unterwegs. Es ist nicht einfach mit so einer jungen Truppe nach einer 7:1-Niederlage unter der Woche sowohl körperlich als auch mental auf der Höhe zu sein. Deswegen gebührt der Mannschaft ein großes Lob. Das ist nicht selbstverständlich.“
…auf die Frage, ob das „zu-Null“ spielen eine Stärkung für das Selbstvertrauen ist: „In der Liga und International haben wir über weite Strecken eine stabile Defensive gehabt. Dass du beim FC Bayern München unter der Woche mal sieben Stück bekommen kannst, ist einfach möglich, wenn man selbst nicht auf hundert Prozent kommt und diese einen Sahnetag erwischen.“
…zu den Handspielen: „Wenn es sich ein Schiedsrichter nochmal ansieht, ist es eine enge Kiste. Bei beiden Malen war es der Fall, dass der Ball vom eigenen Körper an die Hand springt. Von dem her, vertraue ich dem Regelwerk. Ich kann Sturm nachvollziehen, dass das bitter ist, wenn du zwei Mal zum Elfmeter antrittst und dann zurückgenommen wird. Das Regelwerk ist dazu da und der VAR hat sich eingeschalten und nochmals überprüft. Deswegen vertraue ich der Entscheidung und bin glücklich mit dem Sieg.“
…über das Ausscheiden gegen den FC Bayern: „Ich habe mir das Spiel am Tag danach noch zwei Mal angesehen. Es war ein extrem bitterer Abend. Wir sind in die Analyse gegangen, um das Ding abzuhaken. Jetzt richten wir den Blick wieder nach vorne.“
…über die Stimmung in der Mannschaft nach der 7:1-Niederlage: „Es war mit Sicherheit ein Stimmungsknick, wenn man sich so aus der Champions League verabschiedet. Aber die Jungs können das mit zwei Tagen Abstand gut einordnen. Wir haben etwas Historisches erreicht und bis dato eine geile Champions League Saison gespielt. Dass das ein oder andere Team gegen die Bayern unter die Räder kam, ist klar. Von dem her können wir das einordnen und abhaken.“
…über den Ausfall von Mohamed Camara: „Wir hoffen, dass er nach der Länderspielpause zurückkehrt. Bei Muskelverletzungen muss man den Verlauf abwarten. Ganz so tragisch schaut es derzeit nicht aus.“
…über Kaderchancen von Zlatko Junuzovic: „Er war jetzt extrem lange weg. Die jungen Spieler haben sich über den Herbst hinweg prächtig entwickelt. Von dem her ist es schwer, aber er ist wieder zurück auf dem Platz. Das freut mich sehr. Jetzt muss er Schritt für Schritt zu alter Stärke finden.“
Nicolas Seiwald (FC Red Bull Salzburg):
…auf die Frage, was Sturm als Gegner so unangenehm macht: „Die Intensität, die sie auf den Platz legen. Sie laufen um ihr Leben und die Mentalität, die sie haben.“
…über die zwei zurückgenommenen Elfmeter gegen Salzburg: „Ich finde es gut, dass er sich das nochmal ansieht, nicht bei seiner Meinung bleibt und sich Fehler eingesteht. Ich schieße mich selbst an. Im Regelbuch steht, soweit ich weiß, dass es dann kein Elfmeter ist. Deswegen ist es auch richtig entschieden.“
…über die Wichtigkeit des Sieges: „Für die Stimmung in der Mannschaft ist das wichtig. Das tut uns gut und in Hinblick auf Mittwoch (Anm., ÖFB-Cup-Halbfinale gegen WAC) ist das ein Vorteil.“
Maximilian Wöber (FC Red Bull Salzburg):
…nach dem Spiel: „Es tut natürlich gut, wenn man ein Erfolgserlebnis hat. Vor allem im Spitzenspiel, wenn man das entscheidende Tor macht. Nach so einer Schweinspartie ist das ein Faktor, der einen nach vorne pusht.“
…über das Spiel: „Sturm war heute richtig unangenehm und auf Augenhöhe. In den ersten zehn Minuten hatten wir noch das 7:1 in den Knochen und ein bisschen gebraucht haben, dass wir uns das Rauslaufen. Danach war es ein offener Schlagabtausch. Sturm hat mit den kuriosen Elferszenen auf den Ausgleich gedrückt.“
…über den Titelkampf: „Die Sache ist auf keinen Fall durch. Dieses Denken darf nie in unseren Kopf kommen, bis wir die Meisterschaft im Sack haben. Wir müssen jedes Spiel wie ein Finalspiel sehen und dann hoffentlich früh den Meistertitel holen.“
Christian Ilzer (Trainer SK Puntigamer Sturm Graz):
…nach der Niederlage: „Es war eine gute Leistung, aber trotzdem zu wenig, um hier zu gewinnen. Salzburg ist erst im Laufe der ersten Halbzeit besser geworden. Wir haben alles gut im Griff gehabt und gehen leider schnell nach der Pause in Rückstand. Wenn Salzburg Räume bekommt, weiß man, dass die ein oder andere Chance dabei ist.“
…zu den zwei revidierten Elfmetern: „Schiedsrichter Muckenhammer hat guten Blick auf die Situationen gehabt und zwei Mal auf Elfmeter entschieden. Bei der ersten Situation kann man die Hand noch wegbringen. Natürlich gibt es die Regel, wenn der Ball vom Körper kommt. Aber da vergeht eine Zeit. Beim Zweiten war es eine minimale Veränderung, ein Hüftstreifschussball, der dem Ulmer an die Hand fliegt und den Eisenbahner-Schmäh vom Jantscher aufhält, sonst kommt er gut vorbei. Schiedsrichter entscheidet zwei Mal auf Elfmeter. Da war irgendwo im Kammerl in Wien einer zu wichtig heute.“
…weiter zur Entscheidung: „Ulmer verhindert das Duell klar mit der Hand. Ich weiß, wie das Regelbuch sagt: Vom Körper zur eigenen Hand ist kein Elfmeter, aber so genau studiere ich die Schiedsrichterregeln auch nicht. Im Endeffekt war es ein klarer Elfmeter. Es war eine Verhinderung einer Top-Torchance. Da habe ich mich nicht einzumischen, weil es keine klare Fehlentscheidung war. Auch wenn es im Regelbuch so super definiert ist. So entscheidet man nicht im Sinne des Fußballs. Ob wir den Elfer reinhauen, ist eine andere Situation. Wir haben von sechs Elfern alle getroffen.“
Roman Wallner (ehemaliger Sturm und Salzburg Profi):
…über seine aktuellen Karrierepläne: „Wenn man selber lange Fußball gespielt hat, ist nach dem Fußball die Frage, wo man hingeht. Man probiert sich aus. Ich habe ein Sportmanagement-Studium angefangen, um im Sport zu bleiben. Zudem möchte ich mein Wissen und meine Persönlichkeit breit fächern. Ich habe nach meinem Karriereende beim SAK die Möglichkeit als Individualtrainer bekommen. Während meiner Zeit in der Regionalliga habe ich die UEFA-A-Lizenz fertig gemacht, so bin ich Schritt für Schritt in das Trainer-Dasein hineingekommen. Mir macht es irrsinnig viel Spaß und ich habe eine Leidenschaft für das. Das ist mein Hauptfokus und ich bin froh, in die Pro-Lizenz reingekommen zu sein, weil es nicht so einfach und zeitaufwändig ist. Für mich persönlich bin ich froh und möchte als Trainer weiterkommen.“