Unbekannte Folgeschäden: "Virus ist ein Chamäleon"

Patient auf der Intensivstation (Symbolbild)
Patient auf der Intensivstation (Symbolbild)picturedesk.com
Gesundheitsminister Anschober berichtet am Vormittag, wie es um die Corona-Patienten auf Österreichs Intensivstationen bestellt ist. "Das Virus ist ein Chamäleon", sagen führende Ärzte.

Die Situation von Corona-Patienten in Intensivstationen ist am Mittwochvormittag das Thema von Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne). Gemeinsam mit führenden Ärzten in Österreich berichtete er wie eine schwere Corona-Erkrankung abläuft und dass Mediziner jetzt schon an die Grippewelle im Herbst denken.

Schau dir die Pressekonferenz hier im Livestream an. Auch das Aktualisieren dieses Artikels zahlt sich aus, wir ergänzen laufend mit neuen Absätzen!

Blick hinter die Kulissen

Rudi Anschober gab mit drei Ärzten einen Einblick "hinter die Kulissen" der Intensivstationen in der Coronakrise. Die Zahlen: Der Höchststand an Neuerkrankungen war am 26. März, mit 1.062 neu Erkrankten an diesem Tag. Auf den Intensivstationen war der Gipfel am 8. April erreicht, damals benötigten 267 Personen diese Betreuung.

Klaus Markstaller vom Universitätsklinikum für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie an der MedUni Wien berichtet dann aus seiner Sicht. "Wir sind in Österreich glücklicherweise nie in die Situation gekommen, Patienten nicht mehr individuell betreuen zu können", sagt er. Unser Gesundheitssystem war zu keinem Zeitpunkt überfordert, Ärzte haben dadurch nie per "Triage" entscheiden müssen, wer behandelt wird und wer nicht.

"Das Virus ist ein Chamäleon"

Florian Thalhammer von der Österreichische Gesellschaft für Infektiologie sagte dann: "Das Virus ist ein Chamäleon." Er selbst habe sich zu Beginn gedacht, es sei gut, das Virus zu bekommen und dann immun zu sein. Diese Meinung hat sich bei ihm radikal geändert. Mittlerweile ist Thalhammer froh, nicht infiziert worden zu sein. Die bisherigen wissenschaftlichen Publikationen legen nahe, dass das Virus bisher nicht berechenbare Folgeerkrankungen haben kann.

Achtung vor dem Herbst

"Wir haben noch keine Behandlung, wir haben noch keine Impfung. Spannend wird, was von beiden das Rennen gewinnt. Brauchen werden wir beides", sagt Thalhammer. Er garantiert aber, dass beides kommen wird: "Wir werden es schaffen."

Thalhammer weist auch darauf hin: "Der Herbst kommt." Und damit die Grippe-Saison. Dann wird es wichtig sein, genau zu trennen. Denn die Grippe kann man behandeln (oder sogar dagegen impfen) - Corona noch nicht. "Bitte lassen Sie sich im Herbst gegen die Grippe impfen", appelliert er jetzt schon.

So läuft ein schwerer Krankheitsverlauf ab

Günter Weiss von der MedUni Innsbruck berichtete per Videokonferenz von seinen Erfahrungen. Er war - als Doktor an einem Spital in Tirol - einer der ersten in Österreich, der Coronakranke behandelt hat. Schwere Krankheitsverläufe haben "zwei Gipfel", sagt Weiss. Zunächst gehe es um die hohe Virusbelastung, dann um schwere Atemprobleme.

Das Ziel war generell Coronapatienten auf der Normalstation unbedingt von der Intensivstation fernzuhalten. Sie wurden schon in normalen Betten nicht invasiv beatmet, denn: Wer einmal auf die Intensivstation muss, bleibt dort sehr lange (bis zu fünf Wochen) und erholt sich schlecht davon.

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